Zpeech! Retter von Meinungsfreiheit und Web 2.0?
Ich freu mich ja immer, wenn irgendein Monopolist auf die Nase bekommt. Zack. Das gilt natürlich auch für (Massen-)Medien, die bis heute ein bröckelndes, aber noch weitgehend intaktes Meinungsmonopol innehaben. Das ist einer der Gründe, warum ich ab und an gerne bei Don Alphonso vorbeischaue (und weil er gerne Informationspanschern wie PRlern auf die Zwölf gibt). Heute las ich dort einen Verweis auf einen neuen Dienst, nämlich Zpeech.
Frage: wer hat sich schonmal darüber geärgert, dass man bei den Seiten von faz.net, spiegel.de, sueddeutsche.de, zeit.de usw. etc. pp. Kommentare nur nach umständlichen Anmeldeprozeduren, mit Zeitverzögerungen jenseits von Gut und Böse, nach einer redaktionellen Zensur und in WINZIGEN Schriftgrößen hinterlassen kann? Von echten Diskussionen mal ganz abgesehen…
Genau hier hilft Zpeech. Besucht mal die Seite faz.net über diesen Link. Fällt was auf? Genau, wenn man die URL einer beliebigen Webseite um das Präfix http://www.zpeech.com/ ergänzt (also VOR der eigentlichen URL, die sich dann als /www.xyz.de anschließt), dann wird dort ein flexibles Kommentarfenster eingeblendet, das sich als Overlay über die eigentlich Seite legt. FAZ.NET bleibt in diesem Beispiel trotzdem navigierbar!
Was bedeutet das für uns? Genau, ohne dass FAZ.NET oder wer auch immer es verhindern könnte, kann man diskutieren. Ohne Beschränkungen, ohne Zeitverzögerung, so, wie es sein sollte. Hätten die es selber komfortabler gemacht, “mitzumachen” aka, wenn sie “Mitmachen” ernst genommen hätten, tja, dann wäre Zpeech überflüssig gewesen. Aber so…
Wie es weiter geht
Ich tippe mal, dass sich das Ding weiterentwickeln wird. RSS-Feeds für die Kommentare auf bestimmten Seiten, vielleicht auch Mail-Benachrichtigung, sicherlich die Möglichkeit, Bilder zu posten, vielleicht auch Videos. Wenn es gut läuft, dann wird Zpeech oder ein ähnlicher Dienst eine Art “Alternative Information Layer” des Internet, so dass man zwischen Medienmainstream und Ergänzungen der Leser hin- und her switchen kann. Der Vorteil des Dienstes ist die globale Einsetzbarkeit: EIN Login für ALLE Seiten. Kann was. Und sicherlich wird es sehr bald ein Firefox-Plugin geben, das dafür sorgt, dass sich -wenn aktiviert- alle Bookmarks und Adressleisteneingaben direkt mit Zpeech-Overlay öffnen.
Aber ich denke, dass auch extremer Ungemach droht, denn die juristische Flanke dürfte weit offen sein und die Gerichte noch weit mehr überfordern, als Datenschutz, Urheberrecht etc. es bis dato tun. Verändert man eine Webseite durch so ein Overlay unzulässiger Weise? Muss der Content des Overlay kontrollierbar sein? Copyrights? Ist es wohlmöglich eine Art “Hack”, der als unzulässiger Eingriff IN eine Webseite definiert wird? Und was ist mit dem Geschäftsmodell solcher Dienste selbst, wie wollen die Geld verdienen? Durch Werbebanner, die die User ggf. so nerven, dass Sie Zpeech nicht mehr nutzen? Oder kommt vielleicht man ein wirklich neues Modell zum Vorschein, weil ja ansonsten ein neuer Ansatz mit “altem” Systemballast runtergezogen würde?
So oder so, ich denke, dass diese Art von Diensten eine lebhafte Zukunft vor sich hat. Für die Entwicklung der Informationsgesellschaft sicher ein Segen, für die von den Großen erhoffte Gelddruckmaschine “Web2.0″ vielleicht beides zugleich, Segen und Fluch.
2. Februar 2007 um 06:30 Uhr
Tolle Sache! Ich bin begeistert. Ich hoffe nur, dass nicht irgendein Anwalt herausfindet, dass sowas illegal ist (Stichwort Content-Klau).
2. Februar 2007 um 09:57 Uhr
[...] Posted by Jan at Februar 2nd, 2007 Du hast eine interessante, provokante oder sonstwie spannende Internetseite gefunden? Du möchtest darüber mit anderen diskutieren, aber es gibt keine Kommentarfunktion? Zpeech! ist die Lösung für Dich. Media Addicted hat sie gefunden und einen interessanten Artikel darüber geschrieben. [...]
2. Februar 2007 um 09:26 Uhr
Das kann passieren. Das Problem ist weniger die “de facto”-Rechtslage, falls es sowas gibt: ein Overlay, das ich anfordere, ist ja im Pronzip wie ein Fenster, dass ich im Vordergrund öffne. Wer will mir das verbieten? Zudem: die Seite bleibt wie im Original navigierbar, man kann das Overlay minimieren oder wegklicken und man muss das Overlay aktiv anfordern. Es erscheint ja nicht immer automatisch. Für mich sprechen diese Fakten eher gegen einen Rechtsverstoß.
Aber unsere Justiz, die wird daran ziemlich zu knabbern haben, die kommen ja schon mit Datenschutz (Auskunftsansprüche Provider, Werbeanrufe etc.) kaum klar. Rechtsprechung bildet sich erst immer, und bei Blogs etc. sind wir mittendrin in diesem Prozess. Jetzt eine neue Front diesen Kalibers, das dauert Jahre, bis das geklärt ist
10. Dezember 2007 um 17:18 Uhr
Zpeech steht zur Zeit bei ebay.com zum Verkauf!
11. Dezember 2007 um 20:53 Uhr
LOL, Tatsache:
Zpeech auf eBay
Nichtsdestotrotz: ich fand es eine klasse Sache, auch wenn ich zugeben muss, es nicht genutzt zu haben. Vielleicht ein Indiz dafür, dass bei uns noch nicht genug zensiert wird
14. Dezember 2007 um 07:30 Uhr
Morgen
Hmm die werden vermutlich genau wissen, wieso das Teil verkauft wird. Die Grauzone ist vermutlich riesig und nur mit relativ grossem finanziellem Aufwand zu bewältigen.
Die Idee ist gut.. aber möchtet Ihr das bei Eurer Website haben? ich meine, nicht jede gute Idee muss umgesetzt werden.
Gruss
Christian
14. Dezember 2007 um 12:02 Uhr
Ich sah da seinerzeit sogar den Vorteil drin: EINE Plattform für ALLE Seiten. Für mich wäre es mir egal gewesen, sollen sich die Leute austauschen wie und wo immer sie wollen. Dass es irgendwelchen Konzernen nicht passt – PP, persönliches Pech. Die müssen sich langsam mal dran gewöhnen, dass sie es in einer zunehmend informationsökonomisch geprägten Wirtschaft mit dem Monopol auf die Produktionsfaktoren und Werttreiber nicht mehr so einfach haben werden, wie in der Industriegesellschaft.