Warum die GDL so erfolgreich ist
Warum, fragt man sich vielleicht, ist die GDL als Gewerkschaft im Moment so erfolgreich? SO erfolgreich, dass mittlerweile auch andere “Ich-bin-der-Typ-im-Führerhaus”-Berufsgruppen bzw. teilweise sogar “artfremde” Arbeitnehmer in die GDL wechseln? Weil sie der Bahn die Stirn bietet? Weil die Führerhaus-Arbeitnehmer die Möglichkeit auf ein paar schnelle Prozente im Arbeitskampf sehen?
Ich glaube nicht. Ich habe gestern die Vertreter der Lager zuzüglich der eingeschalteten Mediatoren bei Anne Will gesehen. Ein professionell agierendes, aber sachlich faktisch hilfloses Personal-Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, einen emotionalen Herrn Schell mit hohem Unterhaltungswert, einen weisen Kurt Biedenkopf und einen vernünftigen Vertreter der IG Metall.
Aber eines hatte nur Herr Schell, und zwar in Kombination: Authenzität, Führungsstärke, Emotionalität und Argumente. Der Mann ist in der Lage, Kampfgeist zu entfesseln, dem Mann werden sie folgen und dieser Mann wird ihnen 10%+ Lohnzuwachs erstreiten.
Und ich glaube, dass er den Wunsch der Arbeitnehmer nach einer wirklichen Interessenvertretung durch sein Auftreten zu erfüllen verspricht, während die anderen Gewerkschaftsvertreter sich mit marginalen Zuwächsen seit Jahren abspeisen lassen und spätestens seit der “VW-Affäre” die Frage im Raum steht, wie viele gesponsorte Puffbesuche der Arbeitnehmervertreter zu entsprechendem Stillhalten im Arbeitskampf führen.
Man kann zu der Sache stehen wie man Will
, aber wie der Geieselgangster-Psychologe richtig bemerkte spielen sich Konflikte zu einem guten Teil auf einer emotionalen Ebene ab, und diese kann Herr Schell sehr gut bedienen und zusätzlich mit stichhaltigen Argumenten anreichern. Er ist eine Leitfigur im Arbeitskampf und er führt zudem den ersten richtigen Arbeitskampf seit langem. Ein Feldherrentyp, der vielleicht die Kultur des ArbeitsKAMPFES in Deutschland wieder beleben wird.
Egal, auf welcher Seite man steht, das ringt einem mindestens Respekt ab.