Opel-Rettung: Lasst den Markt entscheiden
Auch wenn sich gerade dieser Zeit zeigt, dass der Markt nicht alles regeln kann und in seiner jetzigen Form insbesondere im Finanzsektor seine Schwächen hat: er ist nicht des Teufels und in der Regel trotz allem ein gutes Werkzeug, das beste sogar, das der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht.
Ein Beispiel ist die viel diskutierte Rettung von Opel. Hin und her geht es da, es werden die Kosten der Pleite gegen die Milliarden gegengerechnet, die man wohl hineinpumpen müsste und so weiter und so fort. Dabei geht es auch einfacher. Man sehe sich das Unternehmen an, bilanziere zu erwartende Gewinne (Einnahmen) und Verluste und entscheide dann.
Opel hat offensichtlich ein Problem, Krise hin oder her. Vergleicht man die Anzahl der Neuzulassungen im Zeitverlauf, dann erkennt man, dass Opel vom Trend her zwar wie alle anderen deutschen Hersteller läuft, jedoch deutlich unter deren Wachstumsniveau. Bedeutet schlicht und einfach: aus irgendeinem Grund mögen die Kunden Opel-Fahrzeuge weniger als diejenigen anderer Hersteller.

Nicht dass die Grafik falsch verstanden wird: während alle anderen deutschen Autobauer in 2006 ein meist solides Wachstum zu verzeichnen hatten und im Krisenjahr 2008 immerhin eine +/- 0 erreichten, hat Opel seit 2006 mit massiven Verlusten beim Absatz von Fahrzeugen zu kämpfen, zuletzt fast 10% weniger als im Vorjahr. Es scheint also ein massives Absatzmarktproblem zu geben, ganz unabhängig von internen Kostenstrukturen etc. pp.
Zudem sollte man auch bedenken: Opel ist Know-How-technisch eine mehr oder weniger leere Hülle, weil der Mutterkonzern GM Eigentümerin der ehemaligen Opel-Patente ist – und diese offensichtlich an die US-Regierung verpfändet hat. Bedeutet: würde Opel jetzt selbständig, müsste das Unternehmen entweder die Patente zurückkaufen oder aber Lizenzgebühren entrichten – an GM.
Ausserdem dürfte es auch politisch schwer vermittelbar sein, einem Unternehmen mit Milliarden deutscher Steuergelder unter die Arme zu greifen, das in Deutschland nicht nur keine Steuern gezahlt hat, sondern sogar Erstattungen vom Staat erhalten hat, weil die Gewinne in den USA verbucht wurden, Verluste aber in Deutschland abgeschrieben worden sind.
Ob der Insignia -mir gefällt er von aussen- an dieser Situation etwas ändern kann, wage ich mal zu bezweifeln, denn zum Einen ist der Insignia kein typischer Abwrackprämien-Profiteur und zum Anderen werden in diesem Jahr sicherlich in allen Segmenten, die nicht direkt von der Abwrackprämie profitieren, sehr wenige Einheiten verkauft werden, die Sparquote stiegt z.B. jüngst auf über 11%, ein historisches Hoch und Hinweis darauf, dass die Leute ihr Geld zusammen halten.
Ausserdem wird durch die Abwrackprämie lediglich Konsum von morgen auf heute verschoben: jemand, der ein altes Auto hat und ein Neues kaufen will (meist Kleinwagen), der tut es vielleicht jetzt. Dafür aber nicht mehr in 2010 oder 2011. Die Nachfragelücke wird also nur in die Zukunft verschoben und steht damit auch für Opel quasi vor der Tür, zudem im Kernsegment “Corsa”.
Der Staat sollte sich dreimal überlegen, ob und in welcher Höhe er in eine solche Perspektive investiert mit dem Geld seiner Bürger. Also liebe Regierung, bitte ausnahmsweise mal genau durchrechnen.