2009 08. Mrz

Auch wenn sich gerade dieser Zeit zeigt, dass der Markt nicht alles regeln kann und in seiner jetzigen Form insbesondere im Finanzsektor seine Schwächen hat: er ist nicht des Teufels und in der Regel trotz allem ein gutes Werkzeug, das beste sogar, das der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht.

Ein Beispiel ist die viel diskutierte Rettung von Opel. Hin und her geht es da, es werden die Kosten der Pleite gegen die Milliarden gegengerechnet, die man wohl hineinpumpen müsste und so weiter und so fort. Dabei geht es auch einfacher. Man sehe sich das Unternehmen an, bilanziere zu erwartende Gewinne (Einnahmen) und Verluste und entscheide dann.

Opel hat offensichtlich ein Problem, Krise hin oder her. Vergleicht man die Anzahl der Neuzulassungen im Zeitverlauf, dann erkennt man, dass Opel vom Trend her zwar wie alle anderen deutschen Hersteller läuft, jedoch deutlich unter deren Wachstumsniveau. Bedeutet schlicht und einfach: aus irgendeinem Grund mögen die Kunden Opel-Fahrzeuge weniger als diejenigen anderer Hersteller.

Nicht dass die Grafik falsch verstanden wird: während alle anderen deutschen Autobauer in 2006 ein meist solides Wachstum zu verzeichnen hatten und im Krisenjahr 2008 immerhin eine +/- 0 erreichten, hat Opel seit 2006 mit massiven Verlusten beim Absatz von Fahrzeugen zu kämpfen, zuletzt fast 10% weniger als im Vorjahr. Es scheint also ein massives Absatzmarktproblem zu geben, ganz unabhängig von internen Kostenstrukturen etc. pp.

Zudem sollte man auch bedenken: Opel ist Know-How-technisch eine mehr oder weniger leere Hülle, weil der Mutterkonzern GM Eigentümerin der ehemaligen Opel-Patente ist – und diese offensichtlich an die US-Regierung verpfändet hat. Bedeutet: würde Opel jetzt selbständig, müsste das Unternehmen entweder die Patente zurückkaufen oder aber Lizenzgebühren entrichten – an GM.

Ausserdem dürfte es auch politisch schwer vermittelbar sein, einem Unternehmen mit Milliarden deutscher Steuergelder unter die Arme zu greifen, das in Deutschland nicht nur keine Steuern gezahlt hat, sondern sogar Erstattungen vom Staat erhalten hat, weil die Gewinne in den USA verbucht wurden, Verluste aber in Deutschland abgeschrieben worden sind.

Ob der Insignia -mir gefällt er von aussen- an dieser Situation etwas ändern kann, wage ich mal zu bezweifeln, denn zum Einen ist der Insignia kein typischer Abwrackprämien-Profiteur und zum Anderen werden in diesem Jahr sicherlich in allen Segmenten, die nicht direkt von der Abwrackprämie profitieren, sehr wenige Einheiten verkauft werden, die Sparquote stiegt z.B. jüngst auf über 11%, ein historisches Hoch und Hinweis darauf, dass die Leute ihr Geld zusammen halten.

Ausserdem wird durch die Abwrackprämie lediglich Konsum von morgen auf heute verschoben: jemand, der ein altes Auto hat und ein Neues kaufen will (meist Kleinwagen), der tut es vielleicht jetzt. Dafür aber nicht mehr in 2010 oder 2011. Die Nachfragelücke wird also nur in die Zukunft verschoben und steht damit auch für Opel quasi vor der Tür, zudem im Kernsegment “Corsa”.

Der Staat sollte sich dreimal überlegen, ob und in welcher Höhe er in eine solche Perspektive investiert mit dem Geld seiner Bürger. Also liebe Regierung, bitte ausnahmsweise mal genau durchrechnen.

2008 16. Dez

Ich lese gerade folgendes:

Auch müsse das Mietrecht geändert werden, um Vermietern mehr Anreize für die Gebäudesanierung zu geben, was zugleich dem Klimaschutz helfe.

Quelle: SPON

Das heißt im Klartext: es wird wahrscheinlich den Vermietern erlaubt werden, Kosten für energetische Gebäudesanierungen ganz oder teilweise auf die Mieter abzuwälzen. Wozu das führen soll: CO2-Reduktion, Klimaschutz, der ganze Sermon.

Was unseren Ökonomie-Leisetretern mal wieder entgeht, lernt jeder WiWi-Student im Grundstudium. Preisbildung durch Angebot und Nachfrage.

Nehmen wir mal an, 10% der Wohnungen werden energetisch Saniert. Die Ersparnis kommt in erster Linie dem Mieter zu Gute, aber viel ist das erfahrungsgemäß nicht. Vielleicht 200, 300 EUR im Jahr weniger Heizkosten. Die Kosten sind allerdings weitaus höher. Nehmen wir an, die Vermieter dürfen davon 50% auf die Mieter umlegen, verteilt auf 10 Jahre. Für ein 3-Parteien-Haus würde das bedeuten:

Sanierungskosten ca. 50.000 EUR
Umlagefähig ca. 25.000 EUR
über 10 Jahre > 2.500 EUR / p.a.
je Mietpartei (gleiche Fläche): 833 EUR p.a. / 70 EUR / Monat

Rechnen wir mal die Ersparnisse gegen, kommen wir auf schätzungsweise 50 EUR Mehrkosten je Monat. Die Mieten in einem solchen Haus liegen also -bereinigt um alle Ersparnisse und Mehrausgaben- um 50 EUR im Monat über dem Niveau eines nicht-sanierten Hauses.

Bei einer insgesamt schrumpfenden Bevölkerung dürfte das in erster Linie dazu führen, dass in Zukunft mehr und mehr sanierte gebäude leer stehen, schlicht und einfach, weil sie teurer sind.

Mal ganz unter uns: jemand der mietet hat es nicht so dicke und offen gestanden, die Leute scheißen auf CO2, Blauwale oder Polkappen, wenn sie 50 Tacken im Monat sparen können. Erfahrungsgemäß achten Mieter -unverständlicher Weise- fast gar nicht auf die Nebenkosten, ein Indikator dafür ist, dass die neuen Energiepässe so gut wie nicht nachgefragt werden. Erklärt sich daraus, dass die Nebenkosten ja in Raten bezhalt werden und daher weniger Beachtung finden. Das vorausgesetzt, fielen die wahrgenommenen Mehrkosten von sanierten Objekten noch mehr auf.

Und jetzt stellt euch vor, was passiert, wenn unsere Koalitions-Kompromiss-Honks die gesamten Sanierungskosten umlagenfähig machen. LOL.

2008 02. Nov

Wir wohnen in einer Fußgängerzone. Das ist ab und an problematisch, wenn man mal sechs Getränkekisten im Auto hat oder Möbel anliefern lässt etc. pp. Man darf als Anlieger “einfahren” und zwar Montag bis Freitag von 9.00 bis 11.00 Uhr und Samstag von 7.00 Uhr bis 9.00 Uhr.

Nun, manchmal ist man mal ein bisschen Robin Hood, parkt seine Getränkekästen im Auto und erdreistet sich, z.B. Sonntags vorzufahren oder spät Nachts, wenn man aus dem Urlaub wiederkommt und das Gepäck abladen will. Bis jetzt habe ich damit nie Probleme gehabt, einige Male kam sogar das Ordnungsamt vorbei während dieser ordnungswidrigen Machenschaften, aber die hatten immer Verständnis und sind einfach weitergegangen. Wir sind zudem nicht die Einzigen, es gefährdet, behindert oder stört ja auch niemanden.

Neulich war verkaufsoffener Sonntag, wir hatten Wasserkästen im Auto und….nein, wollten gar nicht bis vor die Tür, sondern wollten nur in einem Wendehammer ca. 100m entfernt leere Getränkekisten einladen. Der Wendehammer ist zwar groß genug für diverse Haltemöglichkeiten (die immer, auch an jenem Sonntag, wahrgenommen werden für kurze Stops), ist jedoch mit einem Halteverbot belegt. Wir kommen also an, halten, machen den Kofferraum auf…und lernen den “Freiwilligen Polizeidienst” kennen.

Die Frauen herrschen meine Freundin und mich ohen Vorwarnung in einem Ton an, dass man denkt, dass die schon früher, viel früher Erfahrung mit sowas gesammelt haben. Nein, das ginge gar nicht, wir müssen weiter fahren, jetzt, gleich, so-fort. Das ging soweit, dass sie auf meine wirklich freundliche Anmerkung, dass unser Vorhaben hier doch ohne Gefahr oder Behinderung realisierbar sei, ohne Unschweife “Zwangsmaßnahmen” und Bußgeld angedroht haben (wobei mich interessierte, was Zwangsmaßnahmen in deren Verständnis sind und ob die das überhaupt dürfen). Kurzum, es half nichts, wir mussten das Feld räumen. Ich ging zu Fuß mit den Kästen hinter dem Auto her -die 4 Kästen, die ich schon trug durfte ich nichtmal einräumen (!)- und sah mir das Schauspiel nochmal an: die beiden Damen bewegten sich mit ihrem Batman-Gürtelgeraffel hektisch von einem Illegal-Halter zum nächsten und wiesen Alles und Jeden zurecht. Witzig auch, wie sie sich immer an ihren Multi-Tool-Gürtel griffen und ihre Freiwilliger-Polizeidienst-T-Shirts mit stolz geschwellter Brust vor sich her trugen. In unserem Wendehammer war noch nie so viel Action – und verständnisloses Kopfschütteln.

Ich habe mich danach gefragt, was das eigentlich ist, “freiwilliger Polizeidienst” und was das für Menschen anzieht, wie die motiviert sind. Um es kurz zusammenzufassen: der freiwillige Polizeidienst ist Ländersache. Die Eckpunkte:

  • Die Mitarbeit beim freiwilligen Polizeidienst geschieht ehrenamtlich und stundenweise.
  • Die Ausbildung der Kräfte erfolgt durch Beamte der Landespolizei und nimmt einen Zeitraum von 50 Stunden in Anspruch, abgeschlossen wird sie mit der Aushändigung einer Urkunde.
  • Neben den Notwehrrechten stehen den Mitgliedern dabei noch einige Rechte zur Gefahrenabwehr nach dem hessischen Polizeirecht zu. Dazu zählen die Befragung, die Identitätsfeststellung und die Möglichkeit, einen Platzverweis auszusprechen.
  • Die Mitarbeiter erhalten eine Aufwandsentschädigung von 7,00 Euro pro Stunde.
  • Weiterhin muss der Bewerber gesundheitlich geeignet sein, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten sowie einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Lehre besitzen. Zudem darf der Anwärter keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis besitzen und muss nach der Gesamtpersönlichkeit geeignet erscheinen.

(Quelle: wie o.g. Wikipedia)

Ich bin wirklich baff. Neben Hiwi-Jobs, z.B. der altbekannten “Politesse”, outsourcen die jetzt immer umfänglicher hoheitliche bzw. pseudo-hoheitliche Aufgaben? Ich meine, das hatten wir doch schonmal und es hat seinerzeit super funktioniert, weil die Motivationsstruktur und die Individuen, die ihr unterliegen, immer gleich sind.

7 EUR die Stunde alle Jubeljahre mal wird nicht der Motivator sein. Wer sich ehrenamtlich engagieren will, der wird schnell sinnvollere, regelmäßigere und anspruchsvollere Tätigkeiten finden. Was übrig bleibt, ist so traurig wie die Wahrheit dahinter, damals wie heute: es sind der Multi-Tool-Gürtel, das T-Shirt mit dem Wappen, dem Aufdruck und die Möglichkeit, endlich, endlich! mal mehr Macht auszuüben als über diese blöden Drehregler zwischen 0 und 250°C. Es gibt nämlich anscheinend nur freiwillige Polizeidienstinnen, mehrheitlich hektische Frauen zwischen 30 und 50 mit dem höchsten Bildungsabschluss “50 Stunden Polizeidienstschulung”. Schätzung über Verbalkompetenz ist schon eine feine Sache. Aber man muss sich das mal geben: ein Schulabschluss oder eine Berufsausbildung reichen aus? Das zieht, vorsichtig gesagt, nicht gerade diejenigen an, denen ich persönlich solche Aufgaben guten Gewissens übertragen wollen würde – denn das wären genau diejenigen, die das entweder gar nicht wollen oder sowieso irgendwo irgendwas zu sagen haben.

Und jetzt will ich wissen, welche Rechte zur Gefahrenabwehr nach dem hessischen Polizeirecht den Leuten zustehen und wer die zuständige Stelle ist, an die ich eine Beschwerde richten kann. Sonst schreibe ich einfach mal ans Polizeipräsidium.

Was mir dazu noch einfällt:

Edit: …mächtig sein und Statussymbole, davon träumen offenbar auch noch andere subalterne Behörden :D

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