2010 14. Jun

Ist irgendwie tragisch-komisch: anscheinend stehen die ersten gesetzlichen Kassen vor der Insolvenz. Jetzt fürchtet sich die Branche vor einem Domino-Effekt – also so ähnlich wie mit Griechenland, Portugal, Spanien und so weiter: wenn der erste Pleite geht, reisst er die anderen wohlmöglich mit.

Warum das auch bei Krankenkassen funktioniert: diejenigen, die Probleme haben, sind die Kassen, in denen viele Alte und Kranke Menschen Mitglied sind. Klar, dann kommt weniger an Beiträgen rein, als man ausgeben muss und zack, Exitus. Und wenn diese “Alten und Kranken” sich neue Kassen suchen… eben. Früher konnten die Kassen ja ihren (individuellen) Beitrag erhöhen, das hat der Staat mit dem fulminanten Gesundheitsfonds ja glücklicher Weise unterbunden.

Wie auch immer, aber irgendwie bin ich immer noch happy mit meiner Wahl der Krankenkasse. Warum? Ich habe mich seinerzeit für die BIG Gesundheit entschieden, eine reine “Online”-Krankenkasse. Damals als Student hatten die einfach mit die günstigsten Beiträge und ein rundum gelungenes Servicekonzept, das beeindruckend gut funktionierte (und ich bin da echt piensig!). Das ist heute, nach über 5 Jahren, immer noch so.

Und mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen hat es einen netten Nebeneffekt: ich weiß, was die Regierung nicht wahrhaben kann, darf und will. Alte Menschen, im speziellen und insbesondere aber chronisch Kranke Menschen (Nikotin, Alk und Fett), sind statistisch gesehen mit höherer Wahrscheinlichkeit weniger gebildet, weniger vermögend und – weniger online. Und werden sich daher wohl kaum eine reine Online-Kasse suchen. Weshalb es meine GKV wahrscheinlich eher nicht erwischen dürfte.

Ach ja, by the way: dieses kleine “strukturelle” Problem mit den “Alten und Kranken” ist ja nur der Anfang, die große Welle (Stichwort: Demographie) kommt ja erst noch, weiß man ja auch erst seit ungefähr 30 Jahren. Mal sehen, was sich die Merkels und Guidos dieser Republik dafür ausdenken, denn letztlich zahlen sowieso wir alle für alles. Also, bis auf die oberen 10.000 jetzt ;)

2009 04. Mai

Man muss ja immer das “big picture” im Blick behalten, aber leider fallen den meisten Menschen immer nur Singularitäten auf, also punktuelle Ereignisse, die dann nicht in einen weiteren Kontext gesetzt werden, weil andere, damit zusammenhängende Ereignisse, schon lange her sind, kein besonders hohes Interesse erzeugen oder schlicht und einfach im Wust der Informationen übersehen werden.

Ich hatte ja in jüngster Vergangenheit am Beispiel des Themas “Sperrung von (angeblichen) Kinderporno-Webseiten” dargelegt, was da technisch und kulturell auf uns zukommen könnte.

In Frankreich ist man da schon einen Schritt weiter: ein junger Mann wurde dort festgenommen (!), weil er eine SMS verschickte mit dem Inhalt

Hast du eine Idee, wie man einen Zug zum Entgleisen bringen kann?

Hört sich nicht spektakulär an? Klar. Ist ja auch komisch, so eine SMS. Genau wie alle Webseiten auf der geheimen Liste des BKA ganz sicher Pädophilen-Webseiten sein würden und wie alle “Killerspieler” von ihren unmittelbar bevorstehenden Amokläufen abgehalten werden müssen.

Was mir langsam Sorgen macht, ist die Tatsache, dass so etwas in Mitteleuropa, der Wiege der modernen Demokratie (wir erinnern uns, 1789, Bastille und so weiter – Frankreich!) ganz offen kommuniziert werden kann, ohne dass sich Widerstand regt! Politiker, Exekutive und Judikative müssen sich nichtmal mehr rechtfertigen für solche Vorgänge, es wird nichts in geheimen Zirkeln beschlossen und kommt durch Saboteure kritische Denker ans Licht, sondern es passiert vor unser aller Augen und Ohren, ganz hochoffiziell.

Offensichtlich reichen ein paar Terroristen, Amokläufer und Kinderschänder aus, um nicht nur ein Nation, sondern den gesamten abendländischen Kulturkreis in eine völlig neue Dimension der Kontrolle zu überführen.

Wenn der alte George das gewusst hätte, wäre sein Buch “1984″ nur halb so dick geworden: wofür einen Krieg inszenieren, um die Notwendigkeit solcher Systemänderungen zu rechtfertigen, wenn es auch viel, viel einfacher geht, nämlich einfach so.

PS: Nur am Rande sei darauf hingewiesen, dass schon seit geraumer Zeit erhebliche Fortschritte dabei gemacht werden, mittels verschiedener Techniken “Gedanken zu lesen“. Momentan steckt das noch in den Kinderschuhen, ist relativ ungenau und hauptsächlich für das Marketing von Interesse. Aber dass natürlich insbesondere das Militär daran forscht, das macht es nicht Vertrauen erweckender. Und dass es auf absehbare Zeit immer mit massiven Unsicherheiten behaftet sein wird, Gedanken auch korrekt zu “erfassen” bzw. zu interpretieren, das bedeutet gar nichts. Andere Geräte mit den selben Einschränkungen entscheiden seit über 70 Jahren über Schuld und Unschuld.

Sorry, ich schweife ab, ist ja nur eine völlig spinnerte Horrorvision :/

2009 08. Mrz

Auch wenn sich gerade dieser Zeit zeigt, dass der Markt nicht alles regeln kann und in seiner jetzigen Form insbesondere im Finanzsektor seine Schwächen hat: er ist nicht des Teufels und in der Regel trotz allem ein gutes Werkzeug, das beste sogar, das der Wirtschaft insgesamt zur Verfügung steht.

Ein Beispiel ist die viel diskutierte Rettung von Opel. Hin und her geht es da, es werden die Kosten der Pleite gegen die Milliarden gegengerechnet, die man wohl hineinpumpen müsste und so weiter und so fort. Dabei geht es auch einfacher. Man sehe sich das Unternehmen an, bilanziere zu erwartende Gewinne (Einnahmen) und Verluste und entscheide dann.

Opel hat offensichtlich ein Problem, Krise hin oder her. Vergleicht man die Anzahl der Neuzulassungen im Zeitverlauf, dann erkennt man, dass Opel vom Trend her zwar wie alle anderen deutschen Hersteller läuft, jedoch deutlich unter deren Wachstumsniveau. Bedeutet schlicht und einfach: aus irgendeinem Grund mögen die Kunden Opel-Fahrzeuge weniger als diejenigen anderer Hersteller.

Nicht dass die Grafik falsch verstanden wird: während alle anderen deutschen Autobauer in 2006 ein meist solides Wachstum zu verzeichnen hatten und im Krisenjahr 2008 immerhin eine +/- 0 erreichten, hat Opel seit 2006 mit massiven Verlusten beim Absatz von Fahrzeugen zu kämpfen, zuletzt fast 10% weniger als im Vorjahr. Es scheint also ein massives Absatzmarktproblem zu geben, ganz unabhängig von internen Kostenstrukturen etc. pp.

Zudem sollte man auch bedenken: Opel ist Know-How-technisch eine mehr oder weniger leere Hülle, weil der Mutterkonzern GM Eigentümerin der ehemaligen Opel-Patente ist – und diese offensichtlich an die US-Regierung verpfändet hat. Bedeutet: würde Opel jetzt selbständig, müsste das Unternehmen entweder die Patente zurückkaufen oder aber Lizenzgebühren entrichten – an GM.

Ausserdem dürfte es auch politisch schwer vermittelbar sein, einem Unternehmen mit Milliarden deutscher Steuergelder unter die Arme zu greifen, das in Deutschland nicht nur keine Steuern gezahlt hat, sondern sogar Erstattungen vom Staat erhalten hat, weil die Gewinne in den USA verbucht wurden, Verluste aber in Deutschland abgeschrieben worden sind.

Ob der Insignia -mir gefällt er von aussen- an dieser Situation etwas ändern kann, wage ich mal zu bezweifeln, denn zum Einen ist der Insignia kein typischer Abwrackprämien-Profiteur und zum Anderen werden in diesem Jahr sicherlich in allen Segmenten, die nicht direkt von der Abwrackprämie profitieren, sehr wenige Einheiten verkauft werden, die Sparquote stiegt z.B. jüngst auf über 11%, ein historisches Hoch und Hinweis darauf, dass die Leute ihr Geld zusammen halten.

Ausserdem wird durch die Abwrackprämie lediglich Konsum von morgen auf heute verschoben: jemand, der ein altes Auto hat und ein Neues kaufen will (meist Kleinwagen), der tut es vielleicht jetzt. Dafür aber nicht mehr in 2010 oder 2011. Die Nachfragelücke wird also nur in die Zukunft verschoben und steht damit auch für Opel quasi vor der Tür, zudem im Kernsegment “Corsa”.

Der Staat sollte sich dreimal überlegen, ob und in welcher Höhe er in eine solche Perspektive investiert mit dem Geld seiner Bürger. Also liebe Regierung, bitte ausnahmsweise mal genau durchrechnen.

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