Tja, da verabschiedet sich der nächste in die ewigen Jagdgründe, eigentlich sollte man mal ein RIP-Blog aufmachen für die Ikonen seiner eigenen Jugend. Was haben wir uns auf dem Schulhof blamiert wenn man meinte, den “Moonwalk” jetzt drauf zu haben. LOL. Klassiker.
Da mir das tolle Youtube dank der Interventionen der GEMA leider nicht mehr die Möglichkeit gibt, das größte, heisseste, genialste MJ-Video hier in seinen vollen 13 Minuten einzustellen, gibt es so lange nur die Light-Version als Online-Memorial, bis das wieder funktioniert.
Man wird ja verwöhnt mit der Zeit und da bietet sich die Bequemlichkeit des Internet an, seinen Luxustrieb so richtig auszuleben. Nachdem meine sauberen Freunde mich zu meinem letzten Geburtstag mit einem iPod nano ausgestattet haben, hänge auch ich an der Nadel des iTunes Music Store. Allerdings sehr selektiv, bisher habe ich nur 22 Stücke gekauft.
Für eines eignet sich iTunes allerdings hervorragend: die Suche nach bestimmten Aufnahmen klassischer Musik. Die Sache ist die: nach der jahrelangen Indoktrination mit bestimmten Aufnahmen gibt man sich mit irgendeinem Don Giovanni nicht mehr zufrieden, man will einen ganz bestimmten. Ruggero Raimondi in diesem Fall, den ich wegen sauberer Coloraturen, die sehr geschmeidig rüberkommen, sogar dem legendären Ezio Pinza vorziehe. Wer möchte, kann sich den Unterschied mal zu Gemüte führen, das sind Welten. Vielleicht auch deswegen, weil Pinzas gute Aufnahmen pre-1945 sind und daher wenig mit Stereo und Klangqualität zu machen ist.
Das große Problem mit iTunes aber bleibt: mit 128 KBit/s in AAC kann man als Klassik-Hörer nix anfangen. Und die Aufnahme, die ich kenne und liebe, die gibt es nur noch bei meinen Eltern auf Schallplatte. Also geht es morgen in den kleinen, feinen Klassik- und Jazzladen der Stadt und exakt diese Aufnahme wird gekauft. So hat sich das Apple sicher nicht vorgestellt, aber was solls. Solange ich einen Track nicht für 0,99 Cent wahlweise in AAC oder MP3 in jeweils 128, 256 oder 320 KBit/s bekomme oder lossless als FLAC, das alles ohne DRM, solange können die mir mal sowas von irgendwo runterrutschen…
Eben wandele ich einige meiner CDs in das verlustfreie Format FLAC um, da stolpere ich über eine CD, die ich vor Jahren in der Bonner Fußgängerzone gekauft habe. Damals spielte ein Mittvierziger so grandios auf seiner Gitarre, dass bestimmt 100 Leute drumherumstanden und andächtig zuhörten. Der Mann hat richtig Applaus bekommen, was auch in Bonn Seltenheitswert hatte für Straßenmusikanten.
Obwohl ich damals in der Ausbildung und das Budget daher beschränkt war, kaufte ich eine seiner CDs. Zwei weitere bot er ebenfalls an und es hat den Anschein, dass später noch eine dritte hinzukam. War ein lustiger Typ, der hat sich für mich als einen von vielen Käufern Zeit genommen und noch rumgeflachst wegen der CD – und sie mir dann für ein oder zwei Mark weniger verkauft. So ging er damals mit jedem um, der vor seinem Gitarrenkasten stand.
Als ich also eben beim Konvertieren ein paar Lieder laufen ließ, da überkam es mich und ich wollte die anderen CDs auch noch haben. Amazon: nada. Google: Fehlanzeige. Bis auf diesen traurigen Eintrag hier, der besagt, dass Norbert Langensiepen Ende 2006 in Portugal verstorben ist.
Wer Interesse an seinen CDs hat, der kann Frau Langensiepen eine Mail schreiben. Ihre Adressdaten lauten:
petra-ana[AT-Zeichen]hotmail.com
Petra Langensiepen
Casa Jurtar 206
8400-565 Lagoa Portugal