2009 29. Nov
Witzig. Vorher hieß es noch, dass der Versuch einer rechtskonservativen Partei der Schweiz (SVP) kaum Erfolgsaussichten hätte. Jetzt haben offenbar 57% der Schweizer doch dafür gestimmt, dass in der Schweiz zukünftig keine Minarette gebaut werden dürfen. Und nicht nur das. Es handelt sich dabei nicht um eine Ergänzung der Bauordnung oder sowas, sondern um einen Verfassungszusatz. Holla.
Jedem, der sie annähme, böte ich die Wette an, dass das Ergebnis desselben Vorhabens in Deutschland fast identisch wäre. Das gilt mit Sicherheit auch noch für ein paar andere Fragen aus dem Themenkreis. Aber in Deutschland sind solche Themen ja nicht ernsthaft öffentlich diskutierbar, geschweige denn per Volksentscheid, weil jeder, der es öffentlich an- oder ausspricht durch die “Wehret-den-Anfängen-Deutschland-ist-total-tolerant-und-der-Zentralra t-ist-auch-dagegen”-Mangel gedreht wird.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich wäre nicht für ein solches Verbot in Deutschland, wofür ich allerdings wäre, das ist eine offene, tabufreie aber positivistische Debatte darüber, was von Mitbürgern mit anderem kulturellen Hintergrund und von Deutschen als “Gastgebern” erwartet werden darf und muss. Nur dann kann echte Integration funktionieren.
Denn eines ist so ein Volksentscheid ganz sicher: ein Hinweis darauf, wie Muslime wahrgenommen werden. Zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt. Und dass es hier beidseitigen Handlungsbedarf gibt, wahrscheinlich in ganz Mitteleuropa, das dürfte jetzt ausser Frage stehen und für diese politisch nicht unproblematische Erkenntnis sollte man den Schweizern dankbar sein.
Und den Dialog beginnen, bevor einseitig ideologisch motivierte Gruppen das Thema für sich instrumentalisieren.
2007 02. Sep
Es ist mal wieder soweit: die Darstellung Mohammeds (oder wie immer man den schreibt) mit Hundekörper in einer schwedischen Zeitung löst -mal wieder- Massenproteste mit den üblichen Hassbekundungen aus: Flaggen-, Puppen und sonstige Verbrennungen, Demos, Rufchöre, das volle islamistische Programm eben.
Die Bilderstrecke zum Artikel war dieses Mal aber besonders sehenswert. Während man sonst immer hasserfüllte Fratzen mit Bärten und weißen Kitteln sieht, diesmal ein etwas anders Bild. Vordergründig brennt eine Puppe, aber sehen wir uns mal die Gesichter dahinter in einer vergrößerten Darstellung an:

Also, für mich sehen die nicht besonders evil aus. Eher wie eine Horde recht junger, Fun-orientierter Menschen, denen gar nicht so recht klar ist, wie ihr Tun bei uns ankommt. Wäre mal interessant zu erfahren, ob diese Formen des Diskurses (Puppen verbrennen etc.) nicht vielleicht ganz normal sind da unten. Also nicht nach dem Motto: “Hey, wenn wir könnten, dann kämen wir zu euch und würden euch live verbrennen” sondern eher in die Richtung “wir finden es echt scheisse, dass ihr unseren religiösen Obermacker so gezeichnet habt und deswegen verbrennen wir ‘ne Schwedenpuppe, gehen nach Hause und tätscheln unserer kleinen Tochter das Köpfchen und alles ist gegessen”.
Könnte es dann nicht auch sein, dass diejenigen Muslime, die hier in Europa Attentate planen und begehen, dies aus einem falsch verstandenen Verständnis solcher Vorgänge heraus tun? Ich meine, die sind auch meist nicht dort, sondern hier aufgewachsen und interpretieren sowas vielleicht genauso falsch wie wir. Aus einem Gefühl der Solidarität mit ihren Glaubensbrüdern heraus, wobei die Prämissen eben falsch aufgefasst werden.
Dann wären das Problem in der Tat einige A****geigen, die diesen Umstand instrumentalisieren für ihre politischen Ziele.