2009 21. Aug
Ich gehe mit einer guten Freundin zweimal die Woche ins Fitness-Studio. Die Dame ist hochschwanger, errechneter Geburtstermin: 22. August 2009, also morgen. Während der Schwangerschaft hat sie ein- oder zweimal abgesagt: einmal war es eine Grillparty, ein anderes Mal der Besuch der Mutter.
Einer unserer Termine ist Freitags nach der Arbeit, da ich heute frei habe, bin ich flexibel und rufe vorsorglich mal an wie es denn aussieht.
“Ach weisst du, gestern war ich bei der Gynäkologin, sie meinte der Muttermund ist schon 1 cm offen, sie glaubt, die Kleine kommt innerhalb der nächsten 1-2 Tage. Ich dachte ich nutze die Gelegenheit nochmal, wie wäre es um 14 Uhr?!”
Tough.
2008 15. Jul
Nach fast 30 Jahren zur Miete, hunderttausenden risikolos verdienten Euros, unzähligen Schöngheitsreparaturen auf eigene Kappe, Baumaßnahmen im Haus, die die Mieterin ohne Mietminderung über sich ergehen ließ, entgeltfreien Erledigungen originärer Eigentümerpflichten bis hin zur Vermietung anderer Wohnungen im Haus i.A., sagte der Vermieter bei Entgegennahme der fristgemäßen Kündigung sichtlich konsterniert:
Liebe Frau L., das ist ja ein Langzeitmietvertrag, ganz außerordentlich, aus dem kann und werde ich Sie erst entlassen, wenn Sie einen adäquaten Nachmieter gefunden haben.
L-O-L.
Der Vermieter ist nicht mehr der honorige Patriarch, der den Mietvertrag seinerzeit unterschrieb, sondern hauptberuflicher Erbe und Großgrundverwalter innerstädtischer Liegenschaften des Clans. Eingeheirateter Parvenü. Denkt nicht im Traum daran, die letztmalig vor 35 Jahren sanierte Wohnung instand zu setzen, insbesondere die Heizung, die genauso gut außen an der Fassade angebracht sein könnte, wenn es um die Effizienz geht, geschweige denn Sanitär, Parkett oder sonst irgendwas. Hauptsache Kasse machen, die Lage gibt es sogar vielleicht noch her.
Mal sehen wie er aus der Wäsche guckt, wenn Frau L’s Anwalt ihm mitteilt, dass ungefähr nur noch die “ich vermiete Objekt XY”-Klausel aus dem Vertrag Gültigkeit besitzt und er sich den Rest in seinen Schnösela**** stecken kann.
Bis dahin wird Frau L. allen Interessenten freundlich mitteilen, dass die Nebenkosten fast so hoch sind wie die Miete und dass sie doch bitte mal nach einem Energiepass fragen sollen. Ich habe angeregt, eine Karte mit der Adresse der zuständigen Verwaltungsbehörde dezent mit auszuhändigen.
2008 29. Apr
Die Kantine. Heiße Diskussion um mein heutiges Kriterium der Menüwahl: schmutztechnische Unbedenklichkeit bei heller Krawatte und weißem Hemd.
Die Kollegin aus dem Rheinland ist qua Herkunft besonders belustigt zu Gange. “Dat hamma ja noch net jesonn, Jung, dat is doch net en Zirkus he!” Die Kollegen falten sich vor Lachen (ich ehrlich gesagt auch). “Du hes noch net so viel Übung mit Messer un Jabel, ne? Unn wider mal kaannse wat von uns Mädels lernen, Jung: immer et schwozes anzonn!”
Sagt es und PLOTSCH: ihr Ravioli patscht aus 20 cm Höhe auf ihren Teller, mitten in die Soße und saut ihr die weiße Blousenmanschette auf beiden Seiten sowas von ein, das einzig weiße Kleidungsstück, das sichtbar ist bei ihr.
Schweigen. Die Dame ist recht nachtragend.