Keine Minarette in der Schweiz. Und in Deutschland?
Witzig. Vorher hieß es noch, dass der Versuch einer rechtskonservativen Partei der Schweiz (SVP) kaum Erfolgsaussichten hätte. Jetzt haben offenbar 57% der Schweizer doch dafür gestimmt, dass in der Schweiz zukünftig keine Minarette gebaut werden dürfen. Und nicht nur das. Es handelt sich dabei nicht um eine Ergänzung der Bauordnung oder sowas, sondern um einen Verfassungszusatz. Holla.
Jedem, der sie annähme, böte ich die Wette an, dass das Ergebnis desselben Vorhabens in Deutschland fast identisch wäre. Das gilt mit Sicherheit auch noch für ein paar andere Fragen aus dem Themenkreis. Aber in Deutschland sind solche Themen ja nicht ernsthaft öffentlich diskutierbar, geschweige denn per Volksentscheid, weil jeder, der es öffentlich an- oder ausspricht durch die “Wehret-den-Anfängen-Deutschland-ist-total-tolerant-und-der-Zentralra t-ist-auch-dagegen”-Mangel gedreht wird.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich wäre nicht für ein solches Verbot in Deutschland, wofür ich allerdings wäre, das ist eine offene, tabufreie aber positivistische Debatte darüber, was von Mitbürgern mit anderem kulturellen Hintergrund und von Deutschen als “Gastgebern” erwartet werden darf und muss. Nur dann kann echte Integration funktionieren.
Denn eines ist so ein Volksentscheid ganz sicher: ein Hinweis darauf, wie Muslime wahrgenommen werden. Zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt. Und dass es hier beidseitigen Handlungsbedarf gibt, wahrscheinlich in ganz Mitteleuropa, das dürfte jetzt ausser Frage stehen und für diese politisch nicht unproblematische Erkenntnis sollte man den Schweizern dankbar sein.
Und den Dialog beginnen, bevor einseitig ideologisch motivierte Gruppen das Thema für sich instrumentalisieren.