2006 21. Sep
Geschäftsreisen
Nehmen wir mal an, ich hätte eine Geschäftsreise gemacht, vorgestern, nach München, über die ich mir im Nachhinein einige Fragen stelle:
- Warum bin ich mit dem ICE gefahren, wenn alle anderen Teilnehmer geflogen sind, obwohl es der funktionalen Rolle nach andersrum hätte sein müssen / sollen?
- Warum habe ich mir via HRS ein Hotel für 150 EUR in 300m Entfernung vom Tagungsort gesucht, während alle anderen direkt vor Ort für das Doppelte gebucht haben?
- Warum war ich beim get-together in einem Weinzelt und warum gab es da ab 21 Uhr kein Weißbier mehr?
- Warum gab es in besagtem Zelt keine Maß Bier, sondern nur normale 0,5l-Gläser?
- Warum kostet ein halbes Hähnchen mit Mini-Mini-Kartoffelsalat-Beilage 13,90 EUR?
- Warum gab es ab 21.30 Uhr keinen Riesling mehr, ab 22.30 Uhr kein Schmalz und keine Brenz’n und ab 23.30 Uhr gar nichts mehr, wenn das Zelt um 1 Uhr schließt?
Die Konsequenzen, die ich als homo rationalis ziehen müsste (was ich im Moment noch nicht einsehe):
- Die interne Reisekostenrichtlinie ist irgendwo im Bereich zwischen “Empfehlung” und “irrelevant” anzusiedeln. Das Ergebnis dieser Gewichtung ist mit entsprechenden Spielräumen zu interpretieren und dann umzusetzen.
- Die Wies’n ist nicht das, was ich dachte, das sie ist. Ist vielmehr eine bunte Kirmes, auf der sich lederhosentragende Asiaten gegenseitig vor der Geisterbahn fotografieren und sich danach erschöpft mit einem Bier die Kante geben. Zudem duzen sich alle, damit endlich mal die Illusion von sozialer Gleichheit aufkommt, auch wenn sich die durch das Tragen von Statussymbolen in Form von VIP-Bändchen (reinkommen) oder eben nicht reinkommen wieder in Wohlgefallen auflöst.