Das Köhler-Phänomen
Da sind sie ratlos, die Politiker und Medienvertreter. Was ist der Mann schon gebasht worden in der letzten Woche: zu früh habe er seine erneute Kandidatur erklärt, dazu sei er -als erster deutscher Präsident überhaupt- ohne 100%-Wiederwahl-Sicherheit angetreten. Unisono fanden die Medien das bedenklich, frech, unangemessen und wetteiferten in der Exculpation seiner Schwächen: Populismus, Einmischung in die Politik über Gebühr, Ambivalenz aufgrund seiner Aussagen zum “Monster der Märkte” vor dem Hintergrund seiner eigenen beruflichen Vergangenheit.
Jedenfalls stellen dieselben Medien -wieder schön gleichgeschaltet mit dem politischen Raum- heute fast schon schockiert fest: Köhler ist trotz all dieser Unzulänglichkeiten beliebter denn je.
Vielleicht geht ja bei irgendeinem unserer Experten mal ein ganz kleines Lichtchen an. Egal, was die Medienfuzzis und Polit-Kasper uns verklickern wollen, ob es nun angemessen ist oder nicht. Köhler ist authentisch und seine Meinungen über Vieles wird offenbar von ebenso Vielen geteilt. Die “Populismus-Keule” wird dann immer als Warnung ausgepackt, das ist doof, geht gar nicht, gefährlich, wehret den Anfängen!
Vielleicht ist es aber auch schlicht und einfach nur so, dass wir in den gestaltenden Positionen mehr Leute brauchen, die so handeln wie Köhler denkt – oder überhaupt mal irgendwie handeln.
Denn sonst schreien weite Teile des Volkes in wenigen Jahren nach mehr Kompetenzen für solche Unikate wie Köhler und wo das hinführen kann, da sind wir in Deutschland ausnahmsweise mal Experten.