Das Benzinpreis-Wunder
Es ist soweit: der Benzinpreis hat erstmals die Marke von 1,50 EUR überwunden. Was für ein Rie-sen-glück für die Petro-Konzerne! Ein Glück, dass wir noch eine Industrie haben, die zu einer Entwicklung in der Lage ist.
Ein Liter Benzin kostete 1998 noch 1,539 DM (in EUR: 0,79 Cent) und das Barrel Rohöl ca. 12 USD (in DM in 1998: 19,20; in EUR folglich 9,82).
Jetzt müssen wir aber noch die Inflation reinrechnen, überschlägig 10 Jahre x 2% ergibt mit Zinseszins etwa 25% Teuerung. Bedeutet: wenn wir diese Preise mit heute Vergleichen wollen, dann müssen wir diese 25% auf die Preise von 1998 aufschlagen. Wir landen also bei ca. 0,98 EUR je Liter Benzin und ca. 12,28 EUR je Barrel Öl.
Heute kostet also ein Liter Benzin 1,51 EUR, ein Barrel Öl jedoch 116,16 USD (in EUR per heute: 73,83).
Das bedeutet:
Während der Benzinpreis in 10 Jahren von 0,98 EUR auf 1,51 EUR angestiegen ist (+54%) ist im selben Zeitraum der Preis des Rohstoffs von 12,28 EUR auf 73,83 EUR gestiegen (+601%, in Worten: sechshundertundein Prozent).
Haben die es also geschafft, dass ihre Produktionsprozesse so viel besser sind, dass die notwendige Preissteigerung nur ein Zwölftel der Rohstoffkostensteigerung beträgt? Ganz sicher. Oder dass der Wettbewerb sooooo brutal ist, dass diese Preissenkung stattgefunden hat? Warum gibt es dann überhaupt noch Ölkonzerne, der Markttheorie nach müssten die alle den Bach runter gehen.
Die Realität sieht anders aus: dass es die Petrokonzerne heute noch gibt bedeutet nichts anderes, als dass sie heute noch Gewinn machen, bei sechsfach höheren Rohstoffkosten, aber nur 50% Preissteigerung. Und jetzt überlegt euch mal, wie viel Gewinne die in den letzten 10, 20, 50 Jahren gemacht haben, als das Öl noch billig war.
Freie Marktwirtschaft? Alles klar!
20. April 2008 um 15:33 Uhr
öhm, mir ist schleierhaft, wo du den faktor 12 hernimmst.
klar, ohne jeden zweifel muss die gewinnspanne in den 90ern gigantisch gewesen sein. deine berechnungen übersehen aber einige sehr wichtige faktoren:
1. seit 1998 sind diverse neue bzw. höhere steuern auf den liter sprit erhoben worden. der reine abgabepreis durch die konzerne selbst unter ignoranz dieser steuern ist relativ wenig gestiegen
2. der USD hat seit 1998 eine beispiellose abwertung erfahren, was die teuerung des in USD bewerteten rohöls sehr nachhaltig relativiert.
3. im zuge der zunehmenden globalisierung haben sich viele mineralölkonzerne insbesondere vertikal vergrößert, sprich sitzen inzwischen sozusagen auch direkt “an der quelle” – damit machen ihnen die rohölkosten schonmal per se knapp die hälfte aus, und obendrein kann man das eigene spritgeschäft durch die veräußerung dieses rohöls auch noch quersubventionieren.
=> faktisch muss der deutsche autofahrer himmelhoch jauchzen, daß der dollar so viel an wert verloren hat, denn sonst lägen die spritpreise inzwischen locker in regionen um 2 EUR / liter.
20. April 2008 um 17:02 Uhr
1. Das verstärkt ja noch den Effekt, den ich beschrieben habe, denn dann ist die Marge der Mineralölkonzerne NOCH stärker gefallen, weil ein Teil ihrer Preiserhöhung gar nicht in ihre Tasche wandert.
2. Habe ich berücksichtigt, indem ich kaufkraftbereinigte Preise in EUR berechnet habe
3. haste recht, das sind nicht Rohstoffkosten, sondern das Verhältnis von Preissteigerung zu Rohstoffkostensteigerung.
4. Wenn der Dollar nicht so viel an Wert verloren hätte, dann wäre der Ölpreis bei weitem nicht so hoch, weil schwacher Dollar die Spekulanten in Rohstoffe treibt, sieht man auch schön am Goldpreis. Aber grundsätzlich hast du da Recht, es könnte schlimmer aussehen, insbesondere weil der Preiseffekt durch die Rohstoffe offensichtlich weniger stark ist, als der Preiseffekt durch andere Faktoren wie z.B. Währungsschwankungen.
11. Mai 2008 um 09:22 Uhr
manueller Trackback
[...] sprechen bereits vom Benzinpreis-Wunder. Übel nehmen kann man das den Autofahrern nicht. Schließlich gibt es zahlreiche Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, beispielsweise um damit zur Arbeit zu fahren. [...]