2009 24. Jul

Sorry, ich kann nicht anders. Mir tut es leid um die vielen Mitarbeiter, die dank eines umfassenden Managementversagens über Jahrzehnte hinweg bald vielleicht ohne Job dastehen, aber: diese “Hochglanzbroschüre” auf nicht glänzendem Öko-Karton (!) wurde am 18.6.2009 noch relativ druckfrisch unter’s Volk gebracht (Redaktionsschluss: 12/2008).

Nur damit man mal sieht, was in einem vom Untergang bedrohten Unternehmen bis ganz zum Schluss funktioniert.

PS: Die “Schutzgebühr” lag angeblich bei 15 EUR, ich habe das wie ca. 1.000 andere Kongressteilnehmer umsonst bekommen. Soviel zum Thema “zukunftsfähige Geschäftsmodelle” :D

2009 26. Jun

Man soll ja immer das Positive sehen:

1) Definition von Armut in Deutschland bzw. der OECD: Die Armutsgrenze erreicht man, wenn man weniger als die Hälfte des Medianeinkommens erzielt (netto, also nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben; Median: 50% der Einkommen liegen höher, 50% liegen niedriger).

2) Das Median-Netto-Einkommen (monatlich) betrug bspw. 2003 in Deutschland 1667 EUR. [vgl. Stat. Bundesamt, S. 1185].

Arm ist man in Deutschland also, wenn man weniger als ca. 840 EUR im Monat netto zur Verfügung hat.

3) Durch die Krise (TM) dürfte dieses Medianeinkommen deutlich sinken, weil zum Einen mehr Menschen arbeitslos werden und danach erst Arbeitslosengeld und später ggf. Hartz IV beziehen, zum Anderen weil die Löhne bei Millionen von Arbeitnehmern verringert wurden, bspw. durch Kurzarbeit, Lohnverzicht etc.

4) Die Armutsschwelle sinkt also um einen gewissen Wert, zusammen mit dem Medianeinkommen. Ich gehe mal davon aus, dass die Leute, die 840 EUR netto im Monat bekommen, aber auch weiterhin nicht wesentlich weniger haben werden, denn grob gerechnet entspricht das einem Bruttolohn von ca. 7 EUR die Stunde bei 40 Stunden in der Woche. Weniger dürfte also kaum gehen, zumal man dann bald in den Bereich “Hartz IV + Sachleistungen” kommt. Fällt man trotzdem darunter, wird man daher zum “Aufstocker” – der Staat schießt also Geld zu, um die Mindestversorgung sicherzustellen. Viele Haushalte mit einem Kind haben ohnehin mehr als 1600 EUR netto im Monat (entspräche damit 2 Erwachsenen a 800 EUR p.P.) allein durch den Bezug von Sozialleistungen (und da sind die Sachleistungen noch nicht mit drin, also Wohnung, Strom, Wasser etc., die der Normalverdiener selbst zahlen muss).

Ergo: Die Armutsgrenze müsste betraglich sinken, die Anzahl derer, die noch unter der gesunkenen Grenze liegt, dürfte aber bei weitem nicht so stark zunehmen, dass dieser Effekt ausgegelichen würde. Die Armut nähme also ab. Jucheissasa. Jetzt suche ich nur noch eine Quelle dafür, mal schauen was SOEP und Konsorten so hergeben…

PS: Da sieht man mal wieder, was man alles mit Statistik machen kann. Weniger arm wird durch den ganzen Spökes ja kein Mensch, ich meine Hand aufs Herz: was soll man bitte mit 840 EUR im Monat machen, ausser sich nach der Arbeit irgendwo in eine dunkle Ecke legen?! :(

2009 24. Jun

Eben gerade, ca. 21.50 Uhr, ZDF heute Journal. Moderator fragt Peer Steinbrück sinngemäß:

Wie kann Deutschland die mittlerweile gewaltige Schuldenlast von rund 1 Billion EUR jemals wieder abbauen? Die Zinslast ist schon heute der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt.

Antwort Peer Steinbrück, ohne mit der Wimper zu zucken, ebenfalls sinngemäß (falls jemand das mitgeschnitten hat, immer her damit!):

Mit derselben Anstrengung, mit der wir das strukturelle Haushaltsdefizit zwischen 2005 und 2008 von 55 Mrd. EUR auf 18 Mrd. EUR verringert haben.

Mit keinem Wort, auch nicht vom Moderator, wird erwähnt, dass die Frage damit nicht nur nicht, sondern irreführend beantwortet wurde. Die korrekte Antwort hätte lauten müssen:

Keine Ahnung. Wir haben es nichtmal 2008 unter besten Voraussetzungen hinbekommen, keine NEUEN Schulden zu machen. Geschweige denn, einen Teil der Altschulden zu tilgen.

Das von Steinbrück angesprochene “strukturelle Haushaltsdefizit” ist letztlich der (negative) Saldo eines aktuellen Haushalts und entspricht der notwendigen NEUverschuldung. Das bedeutet: Altschulden + Neuschulden = Gesamtschulden. Zinsen mal ganz aussen vor.

Steinbrück hat meiner Meinung nach bewusst so formuliert, dass der fachunkundige Durchschnittszuschauer den Eindruck bekommen soll, dass die Verschuldung zwischen 2005 und 2008 “von 55 Mrd. EUR auf 18 Mrd. EUR” zurückgegangen ist. “Die schwarze Null” als Ziel sollte das wohl noch toppen, quasi als “Verschwindibus” für den ganzen Schuldenberg. Logik: “Wenn wir bei Null sind, sind wir ja quasi schuldenfrei”. Und die meisten fressen das wahrscheinlich auch noch. Die Wählermehrheit sozusagen.

Unsere Politiker manipulieren sich ihre Realität einfach mal so, wie sie sie haben wollen. Siehe auch Tiefensee, auch heute wohlgemerkt.

Ich fühle mich nicht repräsentiert, meine Interessen nicht vertreten, meine Einwände nicht gehört, die Angelegenheiten meines Landes nicht sachgerecht geregelt. Egal wen mal wählt, man hat nur noch die Wahl zwischen größerem und kleinerem Übel. Und wir werden immer mehr. Leider Gottes sind wir zu wenige. Einer der Kommentare in dem verlinkten Artikel bringt es auf den Punkt:

Aber die Leute fressen es und das zählt. »Wir« sind nur ein paar Prozent Wähler, vielleicht 10%, maximal 20%. »Die«, das sind Heerschaaren grenzdebiler Konservativer, mal eher totalitär (CDU), mal eher links (SPD), mal eher selbständig (FDP) denen ihre 3,50 EUR Rentenerhöhung und die Sicherung bestehender Privilegien für sich selbst über alles geht. Das Grundproblem ist die Konservativität im Sinne von nicht vorhandener Bereitschaft, wirkliche, signifikante Änderungen zuzulassen oder sogar aktiv herbeizuführen.

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