2007 30. Nov

Können die eigentlich rechnen in den Gewerkschaften? 10% Lohnsteigerung bis Ende 2010 bei der Bahn, und dafür lassen sie sich jetzt feiern.

Bei 2,0% Inflation p.a. (Mittelwert der Inflationsraten 1992-2006, Quelle: destatis) macht das bis Ende 2010 unter Berücksichtigung des Zinseszins-Effekts eine kumulierte Inflation i.H.v. 6,12%.

Die Eisenbahner werden also über 3 Jahre jedes Jahr 1,29% (10%-6,12% geteilt durch 3 Jahre) mehr Geld bekommen, wenn man die steigenden Preise berücksichtigt. Wow.

Von den verbleibenden 3,88% bzw. 1,29% p.a. rechnen wir jetzt mal den Barwert aus. Kleiner Exkurs: der Barwert wird berechnet, weil eine Zahlung, die ich nicht sofort, sondern in der Zukunft erhalte, zum heutigen Zeitpunkt weniger wert ist. Denn wenn ich das Geld heute schon hätte, dann könnte ich es anlegen und Zinsen daran verdienen. Wir nehmen der Einfachheit halber also unsere 1,29% p.a. Lohnsteigerung, die für die Bahn-Arbeitnehmer inflationsbereinigt abfallen.

Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von sagen wir 2.000 EUR und der besagten Steigerung von 1,29% p.a. ist der Barwert der Gehaltserhöhung (nicht unterjährig verzinst, die Formel ist mir für diese Zeit zu lang :) ) bei Opportunitätskosten von 3,5% (der Zinssatz, zu dem man das Geld anlegen könnte, wenn man es heute schon hätte) sagenhafte 299+288+278=865 EUR.

Ich bin dabei davon ausgegangen, dass die Bahn 10% Steigerung auf die heutigen Einkommen versprochen hat und nicht -sie wären ja schön blöd- auf das jeweilige Jahreseinkommen nach Teilsteigerungen.

Das Ergebnis der Tarifverhandlungen sieht also so aus:

Die Erhöhung ist so viel Wert, wie wenn die DBAG den Arbeitnehmern (mit 2k Monatsbrutto) heute EINMALIG (!) 865 EUR für die nächsten 3 Jahre in die Hand drücken würde. Über 36 Monate verteilt wären das rund 24 EUR im Monat – brutto, also ohne Steuerabzug. Bei angenommenen Lohnnebenkosten i.H.v. 30% führt das zu 16,80 EUR Mehrverdienst netto und inflationsbereinigt im Monat über drei Jahre verteilt.

Ich muss in die Gewerkschaft, sofort. Wo sind die Formulare?!

und was ist mit den Managern?

2007 12. Nov

Das Business-Online-Netzwerk Xing plant den Einstieg in den Anzeigenmarkt. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür, sagte Xing-Gründer L.H. der Süddeutschen Zeitung. “Alle sozialen Netzwerke machen Werbung.”
Quelle: SZ

Meine Mutter hat mich seinerzeit immer damit “geärgert”, dass andere für uns und unsere Entscheidungen kein Maßstab seien, das war eines der Kernprinzipien ihrer Erziehung. Wie habe ich es gehasst, denn dieser Spruch kam immer dann, wenn man irgendwas haben oder machen wollte und mit “den anderen” argumentierte, die immer reichlich durften. Meine Mutter blieb stur und je nach Standpunkt könnte man jetzt sagen: der Erfolg gibt ihr ex post Recht. By the way: heute mache ich es genauso.

Da lese ich also eben einen Artikel über XING. Und was finde ich da? Was ganz Süßes: “alle machen das [Online-Werbung in sozialen Netzwerken], also ist JETZT genau der richtige Zeitpunkt dafür, es auch zu tun”. Fragt sich, womit JETZT alle sozialen Netzwerke anfangen, vielleicht ja mit dem Anfang von ihrem Ende oder eher nicht ganz so drastisch: mit dem Beginn einer Strategie, die ihnen genau die User verprellt, von denen sie eigentlich mehr haben wollen.

Ich bin bei XING und ich bin einer von den 12,3% Premium-Mokeln da, aber wenn ich die erste Werbung da aufpoppen sehe, dann…tjahaaaa, dannnnnn…haben sie nur noch 12,2999999% Premium-Kunden – und Minimum 20% meiner Buddys sind dann auch Geschichte :D

2007 22. Okt

Ich habe irgendwas im Bauch, seit ein paar Wochen. Es fing damit an, dass ich ständig das Gefühl hatte, Hunger zu haben, genauer: dass mein Magen knurrt. Auch dann, wenn ich unmittelbar davor etwas gegessen hatte.

Vor zwei Wochen kam ich auf die Idee, das erste Mal in dieser Stadt einen Allgemeinmediziner aufzusuchen. Ich habe gesucht, mich umgehört – und landete dann bei einer Gemeinschaftspraxis zweier Damen. Ich bekam recht zügig einen Termin, setze mich ins Wartezimmer, dann ins Arztzimmer, schildere mein Problem…und sehe in zunehmend verständnislose Augen.

Hmmm, also solche Symptome seien ihr noch nie unter gekommen, also ganz ehrlich, sie wisse jetzt nicht, was das sein könne. Ich sollte mich hinlegen und den Bauch frei machen. Dann drückt sie auf mir rum, irgendwann richtig doll in die Magengegend. Also eher nicht wie man “diagnostisches Drücken” verstehen würde, sondern eher so wie “Conan knetet Mürbeteig”. Ich verziehe mein Gesicht ein wenig und schwupps, hat die Frau die Diagnose. “Jaja, sie haben da ja auch so eine Abwehrreaktion, das ist eine Gastritis.”. Nehmen Sie das hier (Omeprazol) zwei Wochen lang…*Pause*…und wenn es dann nicht besser geht, dann müssen sie zum Gastro-Enterologen (das sind die Leute für die Nummern mit “Schlauch in Mund und Hintern”). Und machen sie nochmal einen Termin für ein Blutbild!

“Können wir das nicht jetzt gleich machen?”

“Nein, viel zu aufwändig, ich habe viel zu tun heute. Aber nächste Woche hätte ich noch Termine.”

In Gedanken: “Alte, in deinem Wartezimmer saßen schätzungsweise ziemlich genau 3 Leute ausser mir.”

Gesprochen: “Danke, aber ich denke damit warte ich, bis ich das Medikament genommen habe. Wenn ich dann kuriert bin, ist das ja nicht mehr nötig.”

Dagegen konnte sie dann glücklicher Weise nichts mehr sagen.

Zwei Wochen sind um und unglücklicher Weise ist es nicht besser, sondern schlimmer geworden. Wenn ich esse, dann habe ich ein brennendes Gefühl in der oberen Bauchgegend, der Bauch rumort und gluckert und…es fühlt sich einfach scheisse an. Keine Schmerzen in dem Sinne, aber auch keine Motivation mehr, etwas zu essen, weil es ohne einfach besser geht. Kann ja so nicht bleiben, also wieder die Arztsuche angeschmissen und einen Gastro-Dingsda rausgesucht. (Wohlweislich vorher telefonisch bei der Allgemeintussi eine Überweisung bestellt.)

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