2010 02. Mrz

Wie immer wird vernünftige Politik nur noch in Karlsruhe gemacht. Die Vorratsdatenspeicherung in ihrer jetzigen Form verstößt nicht nur gegen die Verfassung, sondern auch die bisher gespeicherten Daten müssen sofort gelöscht werden (sic!).

Zudem darf das gegenwärtige Verfahren bis zu einer den Vorgaben genügenden Neuregelung nicht weiter fortgeführt werden. Die jetzige Speicherpraxis inkl. dem bisher angefallenen Datenbestand ist damit tot.

Allerdings: grundsätzlich ist eine Vorratsdatenspeicherung erlaubt, nur eben mit wesentlich höheren technischen und prozessualen Verwertungshürden als bisher.

Ein Hoch auf die letzte integere Instanz der Bundesrepublik Deutschland.

Ich kann gar nicht genug davon kriegen :D *sektkorkenknall*

2010 01. Mrz

Diese Karren sind einfach eine Seuche. Gekauft von kompensatorisch motivierten Selbstwertkomplexlern oder für deren geltungs- und statussüchtigen blonden Perlen Ehefrauen, die damit die Straßen und Parkgelegenheiten im besten Fall unsicher, in der Regel unbenutzbar machen.

Ich bin ja glühender Befürworter einer SUV-Sondersteuer in Höhe von 250% auf den Anschaffungspreis oder alternativ einer generellen Mehrverbrauchssteuer für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge. Wenn man ein Fahrzeug kauft, dann zahlt man für den ersten Liter über einen gemittelten Durchschnittsverbrauch von 8 Litern hinaus 20% des Anschaffungspreises zusätzlich, für den zweiten Liter weitere 40% usw. Für Firmen gelten die doppelten Sätze :D

Warum? Diese Autos und viele ihrer Fahrer / Eigentümer sind in der Öffentlichkeit einfach eine Zumutung:

  • Kaum einer von denen kann einparken. Eigentlich immer parken diese Kutschen in Parkhäusern so, dass der daneben liegende Parktplatz unbrauchbar wird. Daneben zu parken traut man sich ohnehin kaum, weil die meist auch nicht ausparken können. Während das für den SUV allerdings nur eine fast unsichtbare Schleifspur auf dem verchromten Doppelrohr-Seitenfänger auf Ausstiegshöhe bedeutet, ist bei einem Golf oder 1er BMW auf fast-Fensterhöhe ein wirtschaftlicher Totalschaden.
  • Alle Steinschlagschäden an meiner Windschutzscheibe, die jemals entstanden sind (das waren in den letzten 24 Monaten sicherlich 5 oder 6, der aktuelle führte zu der Notwendigkeit eines Scheibentausches) waren ausnahmslos von SUVs vor mir verursacht. Kein Wunder, wenn man mit 80cm breiten Reifen unterwegs ist, die ein Reifenprofil haben, welches auf Serengeti-Durchquerung oder Alaska-Tour ausgelegt ist, dummerweise aber ein Dasein auf deutschen Autobahnen fristen muss -weshalb man die Karre ja auch bis auf 10cm über den Boden tiefergelegt hat.
  • Die können meist auch nicht fahren oder gewöhnen es sich aufgrund ihres Sicherheitsvorsprunges einfach ab: Spurwechsel ohne Blinken, Blinken generell, Rechtsüberholmanöver bei 160 Sachen, Innenstadtstraßen durch Langsamfahren verstopfen (Frauen!), Tanksäulen über Gebühr lange besetzen (100l wollen erstmal durchlaufen!) alles ganz normal.
  • Im Berufsverkehr parken diese blonden Schnecken ihre Aussteuer-X3 und X5er SUVs immer vor der -natürlich- Privatschule im Viertel, einfach mitten auf der Straße bleiben die stehen, steigen in aller Seelenruhe aus um ihre verzogenen Blagen auf der Gehwegseite die Tür zu öffnen. Früh übt sich, was chauffiert werden will.
  • Bei der selbst definierten (und meiner Ansicht nach schwachsinnigen) Klimazielsetzung mit “wir reduzieren CO2″ ist die Mehrbesteuerung dieser CO2-Schleudern ein Witz. Wer zahlt denn üerbhaupt die 300 oder 400 EUR Mehrbelastung im Jahr? Meistens wohl eine Firma oder aber jemand, der mal eben 50-”open end” TEUR übrig hat, um sie in überflüssigen Schwachsinn zu stecken. Extrem hohe Verhaltensanpassung aufgrund der Steuer vermute ich!
  • Die Unfallstatistik würde mich auch mal interssieren und zwar im Detail, wie viel Mehrschutz ein SUV den Insassen bietet (was ja prinzipiell ok ist) im Verhältnis zum (Personen-)Mehrschaden, den die Karre beim Unfallgegner bei gleichen Unfallkonstellationen im Vergleich zu normalen Autos anrichtet. Ich wette, dass selbst ein gepanzerter Maybach besser abschneidet, als ein SUV.

Irgendwie ließe sich diese Liste endlos fortsetzen…

Aber was rege ich mich eigentlich auf. Diese Autos werden doch ohnehin nicht als Statussymbol, sondern als medizinsches Therapiegerät gekauft, weil man da ja endlich mal mit geradem Rücken einsteigen kann. Fühlt sich wahrscheinlich super an, wenn man sowieso den ganzen Tag schon buckeln muss. SUV-Fahrer entlasten damit unser Gsundheitssystem, wir sollten ihnen wohl eher dankbar sein! Und hey, was macht es schon, dass andere Verkehrsteilnehmer bei Unfällen, die normalerweise ein paar Prellungen verursachen, mit einem Chrom-Wildfänger zwischen den Zähnen verrecken oder ihre Knochen als Fußgänger atomisiert werden, weil Blondchen leider den dritten Geländegang mit dem Racing-Modus verwechselt hat?!

JA, natürlich gibt es auch “echte” SUV-Anwendungsszenarien und dementsprechend vernünftige Fahrer, aber wie viele SUV-Besitzer haben denn tatsächlich einen Pferdetransporter zu ziehen, einen Bauernhof zu versorgen oder eine Tour durch die Namib zu absolvieren? 10% vielleicht? 20%?

Und JA, es gibt auch andere asoziale Autos / Fahrer. Genauso schlimm sind z.B. vollbeladene Sprinter mit 180 auf der linken Spur, auch das sollte man verbieten, aber die sind immerhin seltener, als SUVs, jedenfalls da wo ich fahre.

2010 13. Feb

Ich gucke gerade “Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht”. ZDF. Ich kann ja nichts mit Karneval anfangen, konnte ich noch nie, aber ich bin ja auch Exil-Hanseat. Damals im Rheinland versuchten die Lehrer unserer Schule den mehrheitlich alkoholinduziert karnevalstoleranten Jungs vor Ihnen zu erklären, dass diese Party eine Geschichte der katharsischen Reinigung im spirituellen bzw. religiösen Sinn hatte…und so.

Jedenfalls rief soeben der Elferrat in Mainz den “Gutie” auf, einen Comedian oder wie die sich nennen, der als “Johannes Gutenberg” ein paar Sprüche reissen wollte. Oder sollte. Vielleicht auch beides.

Der war sofort in medias res, von null auf hundert sozusagen. Lästerte über die mutmaßlichen Verwicklungen des Mainzer Oberbürgermeisters in gesponsorte Silvesterreisen, die Vorgänge rund um die städtische Wohnungsbaugesellschaft (bei der sich den Aussagen nach deren Management mit Rückendeckung des Aufsichtsrats um schlappe 300 Mio. verzockt hat, so dass das Stadsäckl mit 117 Mio. EUR einspringen musste) und die unbedachte Verscherbelung von ehemaligem Stadteigentum per Crossborder-Leasing. Also nichts, was wir 2008 und 2009 nicht auch woanders gehabt hätten.

In diesem Moment lassen viele Jecken ihre Masken sprichwörtlich fallen, eher werden sie ihrer beraubt, weil sie es nicht mehr unter Kontrolle haben. Gar nicht amused. Offenbar hat sich da für das TV die gesamte Creme der Stadtverwaltung inklusive telegener Anhängsel im Saal versammelt und die klatschen nicht, einige buhen, einige viele, so dass zeitweise das Buhen Überhand nimmt. Man sieht es ihnen an, sie sind perplex, gefesselt von “Guties” Worten, entrüstet ob dieser öffentlichen Bloßstellung. Sie bemerken nichtmal die Kameras, die sie ab und an einfangen, nur die Anhängsel reagieren teilweise noch, zu spät um es als Zuschauer nicht zu merken, rechtzeitig, um ihre Botox-Bäckchen noch zu einer gekünstelten Grimasse der Jeckerei zu verziehen und mechanisch in die Hände zu klatschen.

Offenbar ist die ganze Partie unterminiert, fast schon dominiert von denjenigen, denen die Kritik gilt und vielleicht gerechtfertigter Weise auch gelten sollte: von den Administratoren, die nicht nur in Mainz schon seit Jahrzehnten Entscheidungen treffen, die sie offensichtlich nicht verstehen oder nicht sorgfältig genug prüfen lassen und die sie daher lieber nicht treffen sollten. Aber die Steuergelder wollen ja umverteilt sein.

Ein dreifaches “Helau” für diese Freakshow. Und Respekt für “Gutenberg”, wirklich mutig. Ich jedenfalls fand ihn wirklich lustig! :D

Nachtrag: die Presse hat es auch aufgegriffen, allerdings eher im Rahmen der “Standard-Berichterstattung“.

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