2010 22. Jul

Politikerhirne. CSU. Beides unergründlich. Internet, Pornos, Gewalt, Killerspiele, Kinderpornos. Alles Dasselbe. Am besten gleich das Internet ausknipsen. Ich glaube die wollen am liebsten wieder einen König.

2010 18. Mai

Gestern abend, Tagesthemen. Während Gundula Gause und Tom Buhrow in diesem Prequel zur Sendung verharren (“wir unterhalten uns voll normal und total locker und schieben sinnlos Blätter Papier hin und her”) rattern unten im Ticker die Meldungen durch. Das erste, prominenteste, wichtigste mit Sicherheit: +++Michael Ballack fällt für die WM aus+++ Danach dann die Randnotizen wie +++EU erwägt Finanzmarktsteuer+++Wie geht es weiter mit Europa?+++Ist unser Geld noch sicher?+++Werden unsere Kinder Gras fressen?+++

Genau das ist das Problem: 70% unserer Bevölkerung denken so, fühlen so und handeln so. Datt Mischael is nisch dabei. Kacke. Bier. Stammtisch-Notrunde. Watt? Wie, “Weltwirtschaft”? Wie “meine Kinder”? Wie “Abzocke”? WIE JETZT?

Deswegen werden sie auch immer wieder dieselben Pappnasen wählen, wirklich wichtigen Entscheidungen aus dem Weg gehen, sich berieseln lassen, sich an fremden Leistungen laben wenn man schon selbst nichts mehr selbst generiert, mit dem man sich identifizieren könnte. Ich meine, das muss man sich mal geben: in NRW können sich gerade mal 12,8% der Wähler (und die Wähler sind bekanntlich ja nur ein zunehmend kleiner Teil von “dem Volk”) dazu durchringen, was anderes zu wählen als vorher. Das ist jeder 8.Wähler. Jeder 16. Bürger insgesamt (wegen nichtmal 50% Wahlbeteiligung). Immerhin die meisten davon weg von der CDU, das ist ja schonmal was. *Applaus*

Nö, ist ja auch nichts passiert, ausser dass die europäische Wirtschaft am Abgrund steht, die Politiker das Geld des Souveräns mit fadenscheinigen Begründungen dem systemrelevantesten Gewerbe der Welt hinterherwerfen und den Rest -immer noch Rekordsummen- EU-vertragswidrig aber total einstimmig mit den Kollegen in die Rettung Insolvenzverschleppung von Pleiteländern pumpen, den Arsch ihrer Bürger und noch-nicht-Bürger noch strammer auf das Grundeis der Gläubigerschaft setzen – und dann vielleicht noch wie Roland Koch auf die Idee kommen, es an Bildung und Erziehung der eigenen Kinder einzusparen, damit die grenzdebilen Altwählerschichten ihr dementes Kreuzchen bloß an der richtigen Stelle machen.

Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand.

Man muss ja das Positive sehen: wenn schon Recht und Freiheit zunehmend egal sind, dann ist wenigstens noch die Einigkeit da. Der stillschweigende Konsens darüber, dass man dann sowieso weiter machen kann wie bisher und Fußball -natürlich- nach wie vor das wichtigste aller Themen ist.

Prost.

2010 22. Mrz

Der SPIEGEL jammert wegen des seiner Ansicht nach aus den Fugen geratenen “Deals” zwischen Nutzer und Anbieter: Werbung gegen kostenlose Dienste. Der Artikel endet mit einem weinerlichen “Wann schalten Sie Ihren Werbeblocker ab?”

Um eines in Erinnerung zu rufen: nicht die Nutzer haben kostenlose Angebote eingefordert, nein, Ihr Anbieter habt sie uns hinterhergeschmissen auf der Jagd nach Klicks, damals in der Dotcom-Bubble, als der Wahnsinn begann. Um es mal deutlich zu formulieren:

ihr brauchtet um jeden Preis Klicks oder Page Impressions, damit eure Werbefuzzis euren Anzeigenkunden verklickern konnten, warum sie bei euch Werbung schalten und dafür auch noch viel Geld ausgeben sollten. Die geplanten (!) Erlöse daraus haben dann andere Berater euren Shareholdern präsentiert, die diese Zahlen dann hocherfreut anderen Investoren gezeigt haben und von denen viel mehr Geld bekommen haben, als eure Klitschen jemals Wert waren.

Irgendwann wollten die Käufer dann mal das versprochene Geld sehen und forderten euch wenig freundlich dazu auf, endlich mal das Plansoll zu erfüllen. In eurer aufkeimenden Panik habt ihr dann das System versaut, weil das Gleichgewicht ins Wanken geriet. Ihr habt insbesondere bei euren Lieblings-Nutzern Reaktanz ausgelöst, durch viel zu viel Werbung mit noch mehr Bling Bling. Guckt euch eure Seiten an, ihr wisst genau, wovon ich spreche. Was also wackelt, sind euer Deal und eure Erlösstruktur und ihr habt sie durch eure Fehler gefährdet. Nicht wir, denn wir sind in eurem System keine Partner, sondern Klickaffen. Und jetzt wundert ihr euch, dass die angefixten Affen nicht mehr hinter diesen Status Quo zurück wollen? Es ist und war nie ein Deal, sondern eine angebotsinduzierte Fehlkonditionierung, die euch jetzt einholt.

Noch heute prostituiert Ihr euch für Klicks, weil ihr keine Ideen, keine wirklichen Mehrwertangebote, keinen Mut und vor allen Dingen raffgierige und / oder weltfremde Kapitalgeber habt, die viel zu viel Geld gezahlt haben und deswegen selbst unter Druck stehen.

Liebe Medien, der Artikel im SPIEGEL lässt tief Blicken in eure Gedankenwelt und man kann euch nur zurufen: macht nicht denselben Fehler, wie die Urheberrechtsindustrie seinerzeit. Eure Ausgangssituation ist wesentlich besser, denn für euch kann es fast nur aufwärts gehen, wenn ihr endlich Inhalte und Dienste anbietet, die jemand haben will (aka “Mehrwert”, das ist das, was euch eure Berater immer vorlallen und leider auch keine konkreten Ideen dazu haben) – und ja, ich würde dafür auch zahlen, wie viele andere ebenfalls.

Akzeptiert einfach, dass sich auch im Internet weniger Geld verdienen lässt, als eure Shareholder das gerne hätten (wie überall anders auch). Das bedeutet übrigens, dass wir gleichberechtigte Partner werden und dass ihr nicht denselben Fehler machen könnt, wie in anderen Branchen, um eure Shareholder zu befriedigen: Cost Cutting zur Gewinnmaximierung. Wenn ihr bei euren Angeboten spart, werden wir nicht bereit sein, dafür zu zahlen, denn diesmal haben wir die Wahl, anders als bei Energie, Wasser oder Bahnfahrten.

Ach ja: mein Werbeblocker bleibt an, ich nutze sogar einen bösen “Allesblocker”, der sich zudem selbst aktualisiert. Ich würde übrigens sogar Werbung in Kauf nehmen, aber nicht so, wie sie meistens präsentiert wird: in einem unüberschaubaren, unerträglichen, bunten und blinkenden Übermaß.

Ihr könnt das leisten und zusammen können wir ein richtig cooles Internet haben, vorausgesetzt, ihr vertraut endlich euch selbst und euren Ideen und nicht irgendwelchen dahergelaufenen Beratern, die viel kosten und wenig bringen. Und vorausgesetzt, ihr könnt eure Shareholder davon überzeugen, dass moderates Wachstum mit überschaubarem Risiko besser ist, als riesige Margen mit riesen Risiko.

Nur an Letzterem zweifle ich…

Update

Via Twitter habe ich eine Glosse aus 1999 (!) zum selben Thema gefunden, die schon damals zu einem ähnlichen Fazit kommt wie ich heute. Witziger Weise wurde die Glosse für SPON geschrieben und auch im SPIEGEL veröffentlicht :)

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