2010 13. Feb

Ich gucke gerade “Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht”. ZDF. Ich kann ja nichts mit Karneval anfangen, konnte ich noch nie, aber ich bin ja auch Exil-Hanseat. Damals im Rheinland versuchten die Lehrer unserer Schule den mehrheitlich alkoholinduziert karnevalstoleranten Jungs vor Ihnen zu erklären, dass diese Party eine Geschichte der katharsischen Reinigung im spirituellen bzw. religiösen Sinn hatte…und so.

Jedenfalls rief soeben der Elferrat in Mainz den “Gutie” auf, einen Comedian oder wie die sich nennen, der als “Johannes Gutenberg” ein paar Sprüche reissen wollte. Oder sollte. Vielleicht auch beides.

Der war sofort in medias res, von null auf hundert sozusagen. Lästerte über die mutmaßlichen Verwicklungen des Mainzer Oberbürgermeisters in gesponsorte Silvesterreisen, die Vorgänge rund um die städtische Wohnungsbaugesellschaft (bei der sich den Aussagen nach deren Management mit Rückendeckung des Aufsichtsrats um schlappe 300 Mio. verzockt hat, so dass das Stadsäckl mit 117 Mio. EUR einspringen musste) und die unbedachte Verscherbelung von ehemaligem Stadteigentum per Crossborder-Leasing. Also nichts, was wir 2008 und 2009 nicht auch woanders gehabt hätten.

In diesem Moment lassen viele Jecken ihre Masken sprichwörtlich fallen, eher werden sie ihrer beraubt, weil sie es nicht mehr unter Kontrolle haben. Gar nicht amused. Offenbar hat sich da für das TV die gesamte Creme der Stadtverwaltung inklusive telegener Anhängsel im Saal versammelt und die klatschen nicht, einige buhen, einige viele, so dass zeitweise das Buhen Überhand nimmt. Man sieht es ihnen an, sie sind perplex, gefesselt von “Guties” Worten, entrüstet ob dieser öffentlichen Bloßstellung. Sie bemerken nichtmal die Kameras, die sie ab und an einfangen, nur die Anhängsel reagieren teilweise noch, zu spät um es als Zuschauer nicht zu merken, rechtzeitig, um ihre Botox-Bäckchen noch zu einer gekünstelten Grimasse der Jeckerei zu verziehen und mechanisch in die Hände zu klatschen.

Offenbar ist die ganze Partie unterminiert, fast schon dominiert von denjenigen, denen die Kritik gilt und vielleicht gerechtfertigter Weise auch gelten sollte: von den Administratoren, die nicht nur in Mainz schon seit Jahrzehnten Entscheidungen treffen, die sie offensichtlich nicht verstehen oder nicht sorgfältig genug prüfen lassen und die sie daher lieber nicht treffen sollten. Aber die Steuergelder wollen ja umverteilt sein.

Ein dreifaches “Helau” für diese Freakshow. Und Respekt für “Gutenberg”, wirklich mutig. Ich jedenfalls fand ihn wirklich lustig! :D

Nachtrag: die Presse hat es auch aufgegriffen, allerdings eher im Rahmen der “Standard-Berichterstattung“.

2009 26. Jun

Tja, da verabschiedet sich der nächste in die ewigen Jagdgründe, eigentlich sollte man mal ein RIP-Blog aufmachen für die Ikonen seiner eigenen Jugend. Was haben wir uns auf dem Schulhof blamiert wenn man meinte, den “Moonwalk” jetzt drauf zu haben. LOL. Klassiker.

Da mir das tolle Youtube dank der Interventionen der GEMA leider nicht mehr die Möglichkeit gibt, das größte, heisseste, genialste MJ-Video hier in seinen vollen 13 Minuten einzustellen, gibt es so lange nur die Light-Version als Online-Memorial, bis das wieder funktioniert.


Original Michael Jackson Video Thriller – MyVideo

2009 10. Mai

Es geht -mal wieder- um unsere Politiker. Sie wollen durch die Hintertür die Grundlagen für Zensur und Einschränkung der Pressefreiheit schaffen.

Die Bürger bedienen sich eines der wenigen Mittel, die Ihnen in einer repräsentativen Demokratie noch bleiben: einer öffentlichen Petition gegen dieses Vorhaben. Ganz offiziell auf der Seite des deutschen Bundestages.

Und wie reagiert anscheinend das Ministerium? Mit der direkten Unterstellung, dass alle Mitzeichner dieser Petition Pädophile sind…

Internen Kreisen des BMHKFA zufolge geht das Ministerium davon aus, daß höchstens 200.000 Menschen die Petition “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” vom 22.04.2009 unterzeichnen werden. Dabei berufen sich hochrangige Mitglieder der Laien-Truppe auf die von Horst Vogt im Jahr 2006 veröffentlichte Leipziger Studie (Dunkelfeldstudie) zur gesellschaftlichen und psychischen Situation pädophiler Männer (Lengerich u. a., 2006), in der der Autor von 50.000 bis 200.000 pädophilen Männern in Deutschland spricht. (…)

Quelle: Der Freitag Via.

Anmerkung
Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei oben zitiertem Textausschnitt um einen fiktiven Sachverhalt handeln könnte, obwohl er im Kontext mit anderen, belegbaren Sachverhalten platziert ist.

Ob es sich bei der Textpassage nun um eine Satire handelt oder nicht: die abschätzigen Reaktionen der Politik auf den Erfolg der Petition lassen an dieser Stelle eigentlich keine Frage offen, was die Volksvertreter für die Meinung ihres Volkes übrig haben. Insbesondere stößt mir als Bürger dabei auf, dass ständig so getan wird, als ob sich die Kritik gegen die Bekämpfung von Kinderpornographie richten würde und nicht gegen die mangelhafte (technische) Umsetzung des Vorhabens, inkl. des Fehlens jeder rechtsstaatlichen Kontrolle der Sperrlisten. Fast könnte man meinen, das sei Intention, um die Kritik mundtot zu machen. Kinderpornographie eignet sich ziemlich gut dafür.

Mein Glauben an die Demokratie wird einer zunehmend harten Prüfung unterzogen. Weil man gegen die selbstherrliche Art dieser Laientruppe ziemlich machtlos ist. Zudem zeigt es deutlich, dass sie keine Ahnung haben und keine Lust. Keine Ahnung von der technischen Materie (und damit auch von der Kritik!) und keine Lust, sich mit anderen Meinungen zu befassen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl.

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