“Die Manager” haben es nicht einfach im Moment. Um eines klarzustellen: ich meine mit “den Managern” nur “die verantwortlichen Manager”, das sind die Verantwortlichen der Großbanken, die Top-Investmentbanker und Händler der internationalen Hochfinanz inkl. der Rating-Agenturen, gerade die Rating-Agenturen. Der Rest sind maximal mittelbar Verantwortliche: es gibt auch viele Vorstände und Manager, die von den Dingen, die da abgingen, nichts wussten und vielleicht auch nichts wissen mussten: Personalvorstände, Administration, IT etc. pp. Vielleicht hätten sie es wissen können oder wenigstens fragen müssen, aber das sollen andere klären. Das Problem ist, dass es Heerscharen opportunistischer Rädchen gab und gibt, die einfach mal mitgespielt haben in der naiven Hoffnung, durch ihr Tun irgendwann ganz oben anzukommen. Kaum einer schafft das auch. Wegen der Vielzahl dieser kleinen Rädchen muss sich etwas am System ändern und zwar in der Breite, das ist auch klar geworden.
Ja, “die Manager” greift zu kurz, viel zu kurz, aber sie sind die greifbaren Figuren in diesem Spiel, die Repräsentanten (weil wenigstens vorgeblich mehr oder minder autark handlungsfähig) einer systemischen Fehlentwicklung, in der man Schuld nicht singularisieren kann. Trotzdem lasse ich das jetzt mal so stehen, denn auch bei der Hydra musste man trotz allem letztendlich die Köpfe angehen.
Aber es sind eben nicht nur die Milliarden, die verbrannt wurden durch am Ende völlig undurchschaubare Finanzkonstrukte, die dann als Assets immer und immer wieder weiterverkauft wurden. Ich sage bewusst “nur”, denn es ist eine Menge Geld, eine sehr große Menge Geld, an der wir und kommende Generationen noch zu zahlen haben werden, direkt und indirekt, z.B. über die Inflation, die es früher oder später geben wird.
Was aber bisher in den Betrachtungen fast völlig ausser Acht gelassen wurde: der “starke Staat” im Sinne eines zunehmend interventionistischen Staates. Die politische Kaste, bis unmittelbar vor der Krise verspottet, verlacht und in die Ecke gestellt, nutzt die Gunst der Stunde, um unter dem Beifall des Wahlvolks “den Staat” wieder stark zu machen. Heute sind es das jüngst beschlossene “Enteignungsgesetz” für Banken und die staatlich verordnete Kommunikationsüberwachung, Staatsbeteiligungen und idealer Weise Bundeswehreinsätze im innern. Man muss sich mal vergegenwärtigen, was das bedeutet: Enteignung im wirtschaftlichen Kontext wird in erheblichem Umfang wieder praktiziert! In der im HRE-Kontext zur Diskussion stehenden Größenordnung gab es das m.E. das letzte Mal im Dritten Reich und während der Besatzungszeit nach 1945.
Die Betreiber dieser Maßnahmen sind aber trotzdem noch immer dieselben -nur zu häufig fachlich nicht geeigneten- politischen Akteure, denen jetzt viel, viel Macht zufällt. Und sie nutzen die Gelegenheit lustvoll, man höre sich nur Steinbrücks Kommentare an, jetzt sind sie endlich wieder wer, ganz ohne eigenes Zutun, nur weil eben niemand Besseres parat steht im Moment und weil die Akteure der Finanzwirtschaft diese Situation maßgeblich herbeigeführt haben.
Gleichzeitig nimmt eindeutig die Gewaltbereitschaft einer immer breiteren Bevölkerungsgruppe zu, das fing schon vor der Finanzkrise in Heiligendamm an und setzt sich jetzt in London und Straßbourg fort. Und leider fällt es immer schwerer, es den Leuten zu verdenken. Ich wette 1000 EUR, wenn infratest oder jemand Vergleichbares jetzt repräsentativ fragen würde, ob man Verständnis für solche Ausschreitungen gegen Welthandelsinstitutionen und Banken hat, dass mindestens 20% “ja” sagen würden. Von der Zustimmung zur demokratischen Grundordnung mal ganz zu schweigen. Umso mehr Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst um sich greifen, desto deutlicher werden diese Stimmungen zu Tage treten. Das wiederum unterstützt die Bestrebungen des Staates nach mehr Kontrolle und Interventionsmöglichkeiten in der Breite. Eine “freiheitlich-demokratische Gesellschaft” sieht meiner Meinung nach anders aus.
Diese neue Verankerung des Staates in der Wirtschaft und die auf Grundlage der zunehmenden “Protestbereitschaft” bestehenden und kommenden restriktiven Regelungen für Überwachung, Versammlungsrecht und andere hoheitliche Eingriffe werfen dieses Land von einem liberalen Standpunkt betrachtet um Jahrzehnte zurück. Kurioser Weise werden diese Maßnahmen legitimiert durch die angebliche Erosion der freiheitlich-demokratischen Ordnung und um diese zu verhindern, letztlich befördern sie diese Erosion aber noch, weil sie Grundrechte, Freiheit und damit die grundlagen einer wirklichen Demokratie einschränken. Eigentlich ein Paradoxon.
Es ist vielleicht momentan nicht opportun, aber ich bin kein Freund eines “starken Staates”, egal ob neu oder alt. Der Staat soll Schutzfunktionen ausüben und die gesellschaftliche Administration übernehmen, Punkt. Dass es mehr Reglement im Finanzsektor geben muss, Haken dran (Schutzfunktion). Aber die “neue Einmischung” des Staates in immer mehr Lebensbereichen seiner Bürger, werden wir jahrzehntelang verdauen müssen, in homöopathischen Dosen.
Das finde ich die eigentliche Untat der Hauptverantwortlichen der Finanzkrise, denn mit ihrem Handeln haben Sie die Entwicklung aller Gesellschaften in Richtung echter Liberalität weltweit kompromittiert, die Stabilität der bestehenden Demokratien in Gefahr gebracht und die Glaubwürdigkeit des gesellschaftspolitischen “westlichen Exportmodells” beschädigt. Da ist der wirtschaftliche Schaden nur das Tüpfelchen auf dem i.