Blog-Abmahnungen & Konsequenzen
Menschen machen Fehler und das auf verschiedenen Ebenen. Normalerweise besteht ein gewisser Konsens zwischen a) “nicht richtig”, b) “falsch” und c) “kriminell”. Das entspräche beispielhaft dem in etwa dem Verhältnis von a) “zu schnell fahren”, b) “Schwarzfahren in der Straßenbahn” und c) “Diebstahl, Raub, Gewaltdelikt” etc.pp.
Im Großen und Ganzen ist dieses Verhältnis im Gesetz durch die Trennung von Zivil- und Strafrecht sowie innerhalb dieser durch verschiedene Strafmaße abgebildet.
In bestimmten Bereichen gibt es allerdings die Möglichkeit, mangelhafte Definitionen und lückenhafte Gesetzesregelungen so auszunutzen, dass das Verhältnis von Aktion (Fehlverhalten) und Reaktion (Strafmaß) entweder im krassen Mißverhältnis steht oder -noch schlimmer- dass zwar der Gesetzgeber keine Strafe verhängt, aber einer bestimmten Gruppe von Mitbürgern (aka “Rechtsanwälten”) erlaubt, kostenpflichtig auf das Fehlverhalten hinzuweisen. Das nennt man dann Abmahnung.
Das Dumme an der Sache: in Zeiten des digitalen Content wird man als Blogger von einer zunehmenden Zahl interaktiver Dienste dazu verleitet, fremden Content in die eigene Seite einzubinden. Meist ist dabei zwischen urheberrechtlich geschütztem Material und nicht geschütztem Material kaum zu unterscheiden. Zudem wird die Einbindung des Content in die eigene Seite nicht nur erleichtert, sondern explizit erwünscht und ist Teil des Geschäftsmodells entsprechender Dienste.
Ich will an dieser Stelle nicht diskutieren, wer und warum genau die Verantwortung für diese Vorkommnisse trägt, tragen sollte und ob die Verhältnisse von Vergehen und Kosten (eine Strafe erfolgt ja nicht!) berechtigt sind. Ich gehe einen Schritt weiter und denke über Konsequenzen nach. Wir sind ja keine Lemminge, die zur Immobilität verdammt wären: in einer zunehmend globalisierten Welt hat man eben auch seine Spielräume und auf die weise ich hiermit hin.
Was lässt sich also unternehmen gegen Abmahnungen und Co? Here we go:
- Der korrekte Staatsbürger
Anlesen rudimentärer juristischer Kenntnisse (aka “Jurastudium”), mit Hilfe derer man einschätzen kann, was unter welchen Umständen und mit welchen Konsequenzen erlaubt ist. Strikte Kontrolle der eigenen Inhalte, keinerlei Impulsivität, keine Ausnahmen. Raum für spontane Posts mit entsprechendem Inhalt: gering. Kosten: Studiengebühren für ca. 10 Semester, entsprechend viel Lebenszeit, Spaß an Freunden die nur in § reden, danach (hoffentlich) nichts mehr.Der korrekte Staatsbürger schließt sich darüber hinaus einem gemeinnützigen Verein an, der es sich zum Ziel setzt, die Masse der Bürger über den Umgang mit dem Medium aufzuklären und gleichzeitig an die
BerufsahnungslosenPolitiker heranzutreten um seiner Sache Gehör zu verschaffen. Gegebenenfalls werden Härtefälle finanziell begrenzt unterstützt, dieses Ansinnen kommt jedoch aufgrund der zunehmenden Zahl von Härtefällen zum erliegen und führt letztlich nur dazu, dass beide Seiten genau das Falsche tun: die einen wiegen sich in trügerischer Sicherheit, die anderen erkennen eine gruppenfinanzierte Einnahmequelle und steigern ihre Bemühungen noch. Kosten: 50 Jahre Lebenszeit, Hoffnung aufein Wunderdas Eintreten von Politikern für Bürger statt Lobbyisten. - Der Zocker
Man urteilt nach gesundem Menschenverstand (und ist damit fast schon verloren). Zwar ist man ein Flickr-Bild hier und ein YouTube Video dort nicht ganz auf der sicheren Seite, aber entweder man schwelgt im Segen des Nichtwissens oder nimmt dieses Restrisiko hin. Ich denke in dieser Kategorie bewegen sich die meisten von uns, ob sie nun wollen oder nicht. Kosten: bis zu mehreren tausend Euronen. - Der Vorsichtige
Lädt sich eine Software wie Torpark herunter, die anonymes Surfen ermöglicht. Unter Benutztung dieser Software registriert man eine E-Mail-Adresse bei einem der einschlägigen kostenlosen Webmailer. Dann wendet man sich einem beliebigen Blogservice zu (1, 2, 3, 4, 5) und registriert dort ein Blog. Dieses speist man dann immer (!) unter Verwendung der Anonymisierungs-Software und verzichtet auf Inhalte, die Schlüsse auf die eigene Person zulassen. Gleichzeitig ruft man die besagte Mailadresse ebenfalls nur anonymisert ab. Kosten: 0,00 EUR und etwas Gehirnschmalz, um immer daran zu denken.PS: Andere haben sich auch schon Gedanken über anonymes bloggen gemacht und unter anderem diesen hilfreichen Guide verfasst.
- Independent Lord of Meinungsfreiheit
Keine halben Sachen. Der ILoM will volle technsiche Kontrolle bei maximaler Meinungsfreiheit. Schmalspurlösungen wie Bloganbieter mit ihren begrenzten Anpassungsmöglichkeiten kommen daher nicht in Frage, ein eigener Server muss her. Wenn man das vor hat, dann ist “Offshore Hosting” das richtige Stichwort. Verständnisprobleme anyone? OK. Also, es gibt Länder, wie z.B. Vanuatu, die haben Gesetzbücher, die dünner als ein durchschnittliches Reclam-Heftchen sind. Für Urheberrecht, Auslieferungsrecht etc. ist da wenig Platz drin, weil erstmal die wichtigen Dinge geregelt werden müssen. Damit machen diese Länder richtig Geld, weil jede Menge zwielichtiges Gesocks dort seine Server hinstellt, man denke nur an die Pornoindustrie, Online-Gambling-Anbieter und so weiter, eben alle die, die aus welchen Gründen auch immer woanders Probleme bekommen könnten.Ergo: man mietet dort einen Server, der technisch zwar identifiziert werden kann aber mehr auch nicht. Der Serverbetreiber ist in diesen Ländern anonym und es gibt keine Gesetze, die irgendwen aus irgendeinem Grund dazu befugen, das zu ermitteln. An die Regierung von Vanuatu wird kein noch so abmahnwütiger europäischer oder US-amerikanischer Anwalt einen Brief schicken, weil schon das Porto wegen der nicht vorhandenen Erfolgsaussicht Verschwendung wäre. Da man nach wie vor in Deutschland sitzt, unterliegt man natürlich nach wie vor deutschem Recht – nur nützt das unseren lieben Abmahn-Freunden nichts, wenn sie nicht beweisen können, wer einen bestimmten Server oder eine Seite betreibt. Kosten: ab 14,95$ im Monat oder 19,95$ für einen Reseller-Account, den man auch mit mehreren Personen und Domains nutzen kann.
Eigentlich überlege ich gerade nur noch, ob ich nun Vorschlag drei oder vier umsetzen soll. Es geht mir nicht darum, irgendwelche wirklich illegalen Inhalte veröffentlichen zu können. Aber ich habe nunmal keine Lust, wegen irgendwelcher Flickr-Bildchen mit horrenden Kosten belegt zu werden. Basta.
Wie auch immer man entscheidet: zusätzlich sollte man sich noch in einem (deutschen
) Verein o.ä. engagieren, um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und wenigstens langfristig für Besserung zu sorgen. Das meine ich durchaus ernst und werde es entsprechend umsetzen.
19. Oktober 2006 um 10:04 Uhr
[...] Wow. Drei Tage am Stück mehr als 100 Leser und das noch mit steigender Tendenz. Was habe ich geschrieben? Den Hit-Statistiken zufolge ist es der Post über die Möglichkeiten des anonymen Bloggens, der eigentlich als Reaktion auf Marios Abmahn-Probleme entstanden war. [...]
12. März 2007 um 20:25 Uhr
Ich werde mich dazu nicht aeussern. In diesem land ist mir die zensur zu stark
23. Februar 2008 um 15:43 Uhr
Hallo,
ich wurde auch abgemahnt. Es war der reinste Terror. Ich habe 5 Euro im Monat für meinen Webspace gezahlt und die Anmahnung hat mich 800 Euro gekostet. In Google habe ich mich schlau gemacht und mir wurde geraten einen Anwalt zu nehmen und der hat mir ebenfalls Geld abgeknöpft. Dem musste ich 350 Euro bezahlen und das nur weil ich nicht eingesehen habe über 600 Euro dem zu zahlen. Dann haben wir uns auf 350 geeinigt. Im grossen ganzen hat es mit exakt 1150 Euro gekostet. Danach war ich schlauer und habe mir auch einen passenden Provider ausgesucht und bin nun bei http://www.mediaon.eu deutscher Support und die Erreichbarkeit viel besser als bei 1und1. Für diejenigen die kein englisch können die haben auch eine deutsche Seite und mediaon.de
Grüsse
Josef
18. März 2009 um 14:14 Uhr
Die Idee finde ich nicht schlecht: http://www.ratgeberrecht.eu/abmahnung/index.php