2005 04. Apr

Bewerbung im Vatikan

Als Student, das ist schon ein hartes Leben. Studiert man nicht BWL, VWL, Jura oder Medizin, dann erwartet einen Hartz IV – was genauso gut ist wie der Sensenmann. Also lernt man eines schon früh: Bewerbungen über alles! Die Einen flüchten sich aus ihrem tristen Leben, indem sie sich bei Big Brother (Probably) Forever bewerben, die anderen versuchen zu überleben, indem sie voll spießermäßig als Berater sonstwo anfangen. Ich hab mir gedacht, dass ich mal einen anderen Weg gehe und mir meinen Lebenstraum erfülle: ich nutze die Chance und bewerbe mich im Vatikan als Papst.

Aber es gibt viele Hürden. Wie zum Beispiel darlegen, weshalb man besonders geeigenet ist? Wie erklären, dass man sich so kurzfristig auf diesen Posten bewirbt? Eigentlich wie bei jeder Bewerbung – ein Versuch im Folgenden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich um den Posten des Pontifex Maximus in Ihrem Hause.

Bewegt und überrascht habe ich am gestrigen Tage festgestellt, dass auf Grund einer kurzfristigen Abberufung und der damit verbundenen personellen Umstrukturierung des Leitungsressorts die Position des Pontifex Maximus vakant geworden ist. Kurzfristig habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen, nicht zuletzt, da meine Orientierung schon länger auf einige Aspekte gerichtet ist, denen Ihr Haus schon seit Ewigkeiten Priorität einräumt.

Die Aussicht, eine sinnstiftende und verantwortungsvolle Tätigkeit in der Leitungsebene wahrnehmen zu können, reizt mich dabei besonders.

Nach meiner Berufsausbildung zum Zimmermann, im Rahmen derer ich die für die erwähnte Position nicht abträgliche Fähigkeit der professionellen Kruzifix-Manufaktur erlangte, war ich im Rahmen einer Umschulungsmaßnahme zwei Jahre lang als Zöllner -Sonderabteilung althebräische Schmuggelgüter- tätig. In dieser Zeit konnte ich ausgiebige Erfahrungen im Umgang mit Menschen allgemein und insbesondere solchen mit einem Hang zur Absolutionsbedürftigkeit sammeln. Dabei ist zu erwähnen, dass ich mich stets bemüht habe, Gerechtigkeit walten zu lassen und vom Wege abgekommenen nachhaltige Orientierung zu vermitteln. Diese Einstellung äussert sich nicht zuletzt in meinem letzten Projekt als Zöllner, bei dem ich federführend unter dem Pseudonym “Brennender Gummibaum” 2,7 Tonnen geschmuggelter, irreführender und vom rechten Weg abbringender Präservative medienwirksam feuerbestattet habe, nachdem ich zuvor aus Gründen der Sittsamkeit bzw. aufgrund einer Vision sämtliche Kolleginnen aus Ihren Ämtern entfernt hatte.

Auch mein absolutistisch anmutender Führungsstil, der von meinen Kollegen stets besonders hervorgehoben wurde, dürfte meiner zukünftigen Tätigkeit zuträglich sein. Ich denke, dass meine Qualifikationen und Neigungen dem Anforderungsprofil besonders entsprechen und möchte mich daher für die Ernennung zum Pontifex Maximus im Rahmen des immanenten Konklave empfehlen.

Auf ein persönliches Gespräch freue ich mich und verbleibe,

mit freundlichen Grüßen,

Ist jemand zur Hand, der das Ganze in Italienische übersetzen könnte?! – Alternativ ginge auch Latein… :D

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