Arbeit lohnt in Deutschland nicht!
Ich sitze hier und könnte im Viereck springen. Was ist passiert?
1) Seit dem 1.6. habe ich eine 50%-Teilzeitstelle Angenommen, die nach meiner mündlichen Diplomprüfung im Oktober auf eine “normale” Vollzeitstelle aufgestockt wird.
2) Schon vorher hatte ich -im Nachhinein leider- dem Lehrstuhl meines Marketing-Professors zugesagt, ein Tutorium für eine seiner Veranstaltungen durchzuführen.
Kurzer Check: Meine Teilzeitstelle sind 19,5 Std. / Woche, das Tutorium beläuft sich auf 5 Std./ Woche. Allerdings ist das Tutorium eher eine Goodwill-Veranstaltung: pro Monat bekommt man nämlich 100 EUR und ein paar Zerquetschte, die Motivation sind also eher Interesse und Spaß an der Sache als das Geld. Müßig zu erwähnen, dass die Teilzeitstelle ein Vielfaches monatlich abwirft.
Was passiert nun? Da ich mehr als 20 Std. / Woche arbeite, sagt meine Krankenversicherung, dass ich kein Student mehr bin und ich volle Krankenkassenbeiträge und Sozialversicherungsbeiträge zahlen soll. Monatlicher Verlust: rund 300 EUR.
Also habe ich beschlossen, das Tutorium zu kündigen und umsonst weiter anzubieten! Da würde der Lehrstuhl sich eine HiWi-Stelle sparen und könnte das Geld in eines der vielen Projekte stecken, die ohnehin chronisch unterfinanziert sind. Aber: das geht nicht! Weil dann meine Veranstaltung nicht versichert sei.
Ich kann also nicht kündigen und umsonst arbeiten, um zu verhindern, dass ich 300 EUR im Monat weniger verdiene.
Wen wundert es da bitteschön, dass die Leute teilweise gar nicht mehr arbeiten, sondern lieber gleich staatliche Leistungen kassieren? Das Anreizsystem ist total für den Hintern in Deutschland. Einerseits überschlagen sich alle mit der Forderung nach Praxiserfahrung für Studenten. Und was passiert mit solchen, die genau das machen und sich zudem über den Verdienst finanzieren müssen? Genau, immer druff.
Ich glaube ich ziehe später 5 km hinter irgendeine Grenze für ein paar Jahre, nur um den Fiskus zu ärgern. Und glaubt mir, es wird finanziell verdammt ärgerlich für die sein. Das gesparte Geld werde ich liebend gern in soziale oder gemeinnützige Projekte in Deutschland stecken. Aber bei diesen Regelungen kriegt man echt Gehirnkrebs.
11. Juni 2006 um 20:22 Uhr
DAS habe ich noch nie erlebt… Was hast du jetzt in dieser Angelegenheit vor?
12. Juni 2006 um 10:40 Uhr
“DAS” ist typisch Deutschland. Wenn wir unser Bürokratiemonster nicht hätten, stünde unser Arbeitslosen-Counter bei 5,5 Millionen, dafür hätten wir dann eine vernünftige Administration.
Was ich vorhabe: im Studium habe ich gelernt, dass sich eine Aktivität immer dann lohnt, wenn GEWINN > KOSTEN gilt. Ich würde mir an diesem Regelungsschwachsinn höchstens die Hörner abstoßen sowie Zeit und Nerven verschwenden, die in Summe weit mehr Wert wären als mein Verlust.
Das einzige, was man in Erwägung ziehen könnte, wäre, nicht mehr wählen zu gehen, denn egal wen du wählst, es passiert in diesem unseren Land immer dasselbe: Nichts.
Da das aber auch keine tolle Option ist, wähle ich einfach willkürlich jemand anderen.