2009 23. Jan

Abwrackprämie? Investitionsökonomischer Schwachsinn.

Tja, die Abwrackprämie kommt und die Händler berichten von Kundenanstürmen. Ich kann mich nur darüber wundern. Wir steuern hier geradewegs auf die größte Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg zu und gerade die, die eine Reserve gut brauchen könnten, retten jetzt die Volkswirtschaft konsumieren nun offensichtlich doch in erheblichem Umfang.

Mal kurz betrachtet und nachgerechnet:

Ausgangslage ist ein mehr oder minder wertloses, 9+ Jahre altes Auto, das 1+ Jahre auf den Verschrotter zugelassen sein muss. Das ist nicht gerade die Zielgruppe mit unendlich dickem Kapitalpolster, sollte man meinen.

Den günstigsten Neuwagen bekommt man inkl. Rabatt, Tageszulassung und allem für ca. 8000 EUR. Nähmen wir mal an (was unwahrscheinlich ist), dass der Neuwagen genauso groß, komfortabel etc. wie der Altwagen ist, dann muss man bei 2,5k Abwrackprämie noch 5,5k EUR drauflegen.

Gesetzt den Fall, dass

  • der alte Wagen noch fahrtüchtig war,
  • der Neuwagen 2 Liter Benzin weniger auf 100km verbraucht,
  • der durchschnittliche Benzinpreis 1,20 EUR beträgt,
  • die jährliche Steuerersparnis bei 200 EUR liegt,
  • die Jahresfahrtleistung bei 20k km liegt,
  • die Versicherungsersparnis bei 100 EUR p.a. liegt,
  • die Ersparnis durch den Neuwagen für Reparaturen / Wartung bei 500 EUR p.a. liegt,

dann ergibt sich folgende Amortisationsrechnung (jetzt mal ohne finanzmathematischen Schnickschnack):

  • 200*2*1,20 EUR = 720 EUR Ersparnis p.a. durch weniger Verbrauch
  • 200 EUR Steuerersparnis
  • 100 EUR Versicherungsersparnis
  • 500 EUR Wartungsersparnis

Macht in Summe unglaubliche 1.520 EUR / Jahr Ersparnis unter Berücksichtigung der Abwrackprämie. Die Investition von 5.500 EUR hätte sich also nach 3,7 Jahren amortisiert.

Wenn man die Opportunitätskosten mal berücksichtigt (ich könnte mir heute ja statt eines Autos einfach für 5.500 EUR Lehman-Zertifikate Staatsanleihen kaufen, die mit 3% verzinst sind) und die Ummeldekosten, TüV / ASU alle 3 /2 Jahre etc. pp. (und wenn man ganz böse ist: die zu erwartende Deflationsrate), dann sind wir bei round about 4 Jahren für den Break-Even.

In dieser Zeit darf das Auto nicht kaputt gehen, keine Wartung / Reparatur verursachen und so fort. Jetzt kann sich ja jeder selbst ausmalen, wie viel die 8000-EUR-Karre mit dann 80.000 km Laufleistung wohl noch wert ist…nämlich gegen 0 EUR.

Fazit: die Abwrackprämie lohnt sich nur, wenn der 9+ Jahre alte Wagen sowieso eine größere Reparatur braucht oder schon fast kaputt ist. Für alle anderen lohnt sich das mal überhaupt nicht.

Das Tragische ist nur: die Leute müssen irrational handeln, damit die Wirtschaft nicht noch tiefer in den Dreck fährt. Eigentlich witzig, dass wider die mikroökonomische Theorie gehandelt werden muss, um makroökonomischen Schaden abzuwenden. :D

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