2010 24. Jul

Liebe Deutsche Post,

seit Jahren erhalte ich ungefragt euren dämlichen Werbemüll tolle Einwurfsendung. Ich habe mit euch telefoniert und ihr meintet, dass die Postleitzahlen-Angabe auf dem Mist Prospekt ausreicht, um es als addressierte Sendung zu qualifizieren, die es an meiner liebevollen “Keine Werbung und kostenlosen Zeitschriften”-Briefkastenbeschriftung vorbei befördert. Soviel zur Berücksichtigung von Verbraucherinteressen.

Was ihr nicht seht, vielleicht ahnt, aber mit Sicherheit nicht wahrhaben wollt: hinter unserer Tür, 1m von den Briefkästen entfernt, steht eine graue Plastikkiste, in die alle Mietparteien im Haus euren Einkauf-Aktuell-Scheiss Publikation inklusive ungeöffneter Mülltütenfolienverpackung reinwerfen.

Einmal in der Woche landet der ganze Schrott Inhalt dann in der Mülltonne, wird getrennt, recycled und mutmaßlich wenig später hoffentlich zu einem Playboy, eher aber zu einer weiteren Ausgabe eures schlecht gemachten Pamphlets Absatzförderungsprospekts für die untere Mittelschichtzielgruppe “roaring Midsters”. Was euch eure Geomarketing-Fuzzis Experten vielleicht noch nicht gesagt haben oder können: ja, soziodemografisch ist das hier so eine Gegend. Und nicht mal hier liest mal eure Ausflüsse tollen Angebote (die aussehen wie von einer Horde Layout-Azubis unter LSD zusammengezimmerte Testprints). Ist das nicht traurig? Und noch trauriger ist, dass ich jede Menge Häuser und Haushalte kenne, in denen das genauso ist.

Fassen wir also zusammen: weil ihr zu unbedarft altbacken seid, eure Zielgruppenspezifikation richtig zu machen, werden Woche für Woche Rohstoffe verschwendet, gelangen Chemikalien in die Umwelt, wird Plastik produziert, Energie verschwendet, CO2 produziert und so weiter – damit ihr euren vorgestrigen Stützstrumpfherstellern zahlenden Kunden weiterhin einreden könnt, dass ihr da eine Reichweite von Quadrillionen mündiger Bürger habt. Wenn Ratten lesen könnten, dann vielleicht.

Eure revolutionäre Neuerfindung des Konzepts ist wahrscheinlich der Versand via e-Postbrief. Naja, den haben eure Kollegen offenbar genauso weit an der Realität vorbei gemacht wie ihr euer Direktmarketing, aber egal, da findet zusammen, was zusammengehört. Aber da kann ich es wenigstens noch schneller und automatisch löschen.

Solche Konzepte werden nicht mehr lange überleben. Ganz sicher.

2010 22. Jul

Politikerhirne. CSU. Beides unergründlich. Internet, Pornos, Gewalt, Killerspiele, Kinderpornos. Alles Dasselbe. Am besten gleich das Internet ausknipsen. Ich glaube die wollen am liebsten wieder einen König.

2010 21. Jul

Ich muss wirklich sagen: ich bin mehr oder minder entsetzt über die Erkenntnisse und die generelle Informationspolitik im Fall Brunner. Wie groß war noch der Aufschrei der Medien und in deren Fahrwasser der Öffentlichkeit. Heldenmut. Opfertod. Zivilcourage. Ganz großes Kino.

Entsprechend waren die öffentlichen und medial inszenierten Gesten: Bundesverdienstkreuz, Stiftungsgründung, Gedenkminuten in Stadien, Schulen et cetera.

Und die Inszenierung hallt nach. Ein Bekannter sagt mir neulich als wir auf die -für die Öffentlichkeit neuen- Erkenntnisse zu sprechen kommen, dass sich für Ihn an der Grundkonstellation des Falls nicht wirklich was geändert habe.

Fassen wir mal kurz -und etwas verkürzt- zusammen:

VORHER: Unauffälliger, zurückhaltender Manager schützt Kinder in der S-Bahn und beim Aussteigen vor marodierenden Jugendlichen, wird dann beim Aussteigen von eben jenen erst verbal, dann tätlich angegriffen, zu Boden geschlagen und in einer animalischen Gewalteskalation zu Tode getreten.

NACHHER: Manager mit Vorliebe für kontaktbetonten Kampfsport schützt Jugendliche vor Pöbeleien in der S-Bahn, provoziert beim Aussteigen eine Eskalation, führt einen ersten Schlag ins Gesicht eines der betrunkenen Kontrahenten, was in eine Schlägerei mündet, in deren Verlauf er zu Boden geht und an Herzversagen verstirbt.

Bin ich der Einzige, der da sowas wie graduelle Unterschiede zu erkennen glaubt, die eine öffentliche Neubewertung des Vorgangs durchaus rechtfertigen würden? Vielleicht hätte man wenigstens mal mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse warten können, bis die Sache komplett aufgearbeitet ist.

Nicht dass wir uns falsch verstehen. Brunner stand grundsätzlich auf der richtigen Seite. Aber das Gegenteil von “gut gemeint” ist “gut gemacht”. Respekt hat seine Haltung verdient, nicht sein Handeln. Wenn es also um Gerechtigkeit geht und nicht um die ex-post Rechtfertigung miserabler Informationspolitik, sollte das in meinen Augen ganz klar eine Rolle spielen.

Wer jetzt an eine große Anti-Brunner-Verschwörung glaubt: alle Fakten finden sich hier. Interessanter Weise nicht die Hintergründe aus dem oben verlinkten ZEIT-Artikel zu seiner Vorliebe für Kickboxen.

Pages: 1 2 3 4 5 6 ...144 145 146 damals